Tibetische Flüchtlinge über ihre Verfolgung Die in der Hölle waren

Und Migmar ergänzt: "Es ist die Hauptaufgabe der Polizei, uns zu quälen, und sie sind sehr erfindungsreich darin." Er musste während seiner Haft zudem im Steinbruch arbeiten. "Sie haben uns morgens hingebracht und irgendwann wieder abgeholt. Es war eine harte Arbeit. Viele Häftlinge waren sehr geschwächt und sind krank geworden. Aber die Chinesen wollten nicht, dass sie im Gefängnis sterben, deshalb durften ihre Familien sie kurz vor dem Ende abholen. Gegen Bezahlung."

Einfach verschwunden

Wer verhaftet wird, verschwindet einfach. Die Familien wissen in der Regel nicht, wo ihre Angehörigen sind. "Als ich im Gefängnis war, haben sie mein Haus auf den Kopf gestellt und auch meine Familie eingeschüchtert", sagt Namgyal, der seit neun Monaten keinen Kontakt zu seinen Angehörigen hat. Alles, was er weiß, ist, dass seine Frau und seine sechsjährige Tochter inzwischen in Indien sind. "Ich mache mir jetzt große Sorgen. Es geht mir schlecht. Ich bin sehr traurig." Auch für Migmar ist es das Schlimmste, nicht zu wissen, was mit seiner Mutter ist. Sie ist politisch tätig. Ob sie noch am Leben ist, weiß er nicht.

Dadon war Nonne und zählt aus Sicht der Chinesen wohl zu den harten Separatisten, die nicht "umzudrehen" sind. "Viele Klöster in Tibet sind unterwandert", berichtet sie. "Es gibt dort verkleidete Chinesen, die die Mönche und Nonnen ausspionieren." Seit drei Jahren lebt sie als anerkannter politischer Flüchtling in München, wie auch Migmar. Bei den anderen beiden läuft der Asylantrag noch. Sie müssen sich damit abfinden, dass eine Rückkehr derzeit nicht möglich ist. Hier sind sie zwar sicher, doch das Leben ist schwer. Das gilt genau so für alle anderen Volksstämme, die in China unterdrückt werden und flüchten mussten. Die Opfer sind traumatisiert und brauchen psychologische Betreuung, die sie bei Refugio auch bekommen. Aber sie wollen weiter auf die Situation in ihrem Land aufmerksam machen. Friedlich, mit Mahnwachen, Aufrufen, Demonstrationen. "Das ist der richtige und einzige Weg für uns Tibeter", sagt Migmar. "Deswegen bekommen wir auch so viel Unterstützung. Sobald wir diesen Weg verlassen, haben wir keine Chance. Die meisten Tibeter denken so."