Veranstaltungen zum 150. GeburtstagWie Thomas Mann in München gefeiert wird

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Thomas Mann (1875–1955)  im Jahr 1926, noch ohne Literaturnobelpreis.
Thomas Mann (1875–1955)  im Jahr 1926, noch ohne Literaturnobelpreis. (Foto: Heinrich und Thomas Mann Zentrum Lübeck/dpa)

Am 6. Juni steht der 150. Geburtstag von Thomas Mann an. München, wo er lange mit seiner Familie lebte, würdigt den Schriftsteller mit einem Crescendo an Veranstaltungen.

Von Antje Weber

„Ich bin ja München, wo ich die Hälfte meines Lebens verbrachte, von Herzen zugetan“, schrieb Thomas Mann 1955 an den Münchner Oberbürgermeister Thomas Wimmer. Ein sehr freundlicher Satz, denn viele Jahre der anderen Hälfte seines Lebens, während des Nationalsozialismus, mussten der Schriftsteller und seine Familie keineswegs freiwillig im Exil verbringen.

Längst jedoch zeigt sich auch München dem berühmten Schriftsteller wieder von Herzen zugetan. Anlässlich seines 150. Geburtstags, der am 6. Juni ansteht, bereichern seit Monaten einschlägige Lesungen das Programm von Literaturhaus bis Monacensia. Nun steigert es sich in den nächsten Wochen zu einem wahren Mann-Rausch – wer hören will, der höre jetzt.

Am 16. Mai ballen sich die Veranstaltungen besonders. Im Literaturhaus gibt es einen Doppel-Mann-Wumms: Zwei Experten stellen ihre neuen Bücher vor und diskutieren miteinander. Zunächst (18.30 Uhr) wird Holger Pils den letzten bisher veröffentlichten Briefwechsel von Thomas Mann präsentieren: Mehr als 400 Briefe wechselten er und seine Frau Katia mit der jüdischen Buchhändlerin Ida Herz; eine Beziehung zwischen Bewunderung und Enttäuschung. Anschließend (20 Uhr) wird Tilmann Lahme das Leben des „Zauberers“ anhand neuer Quellen und Einsichten einmal mehr neu aufrollen.

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Wer nun die seltene Fähigkeit besitzt, sich gleichzeitig an zwei Orten aufzuhalten, kann sich am selben Abend (18 Uhr) auch in der Stadtbibliothek im Forum Bogenhausen fortbilden: bei einem Vortrag von Dirk Heißerer, als Vorsitzender des Thomas-Mann-Forums München ebenfalls Fachmann für alle Mann’schen Regungen und mit einem Vortrag zur Diskussion um dessen Rückkehr nach Kriegsende präsent: „Warum ich nicht nach Deutschland zurückgehe“ (weitere Veranstaltungen des Forums unter tmfm.de).

Um wieder zum Literaturhaus zurückzueilen: Dort ist man mit Mann noch mitnichten am Ende – was übrigens auch damit zusammenhängen mag, dass dieses Jahr nach dem Geburts- auch noch auf Thomas Manns 70. Todestag am 12. August zusteuert. Am 2. Juni wird jedenfalls zunächst Meike Rötzer den „Zauberberg“ verdichtet nacherzählen, am 23. Juni Hans Wisskirchen hier das Brüderpaar Thomas und Heinrich analysieren.

Dazwischen kommt die Monacensia ins Spiel. Das Literaturarchiv beherbergt nicht nur bedeutende Teile der Nachlässe von Thomas Mann und seinen Kindern (darunter Elisabeth Mann Borgese, die am 17. Mai mit einer eigenen Veranstaltung gewürdigt wird), es ist auch Teil des Netzwerks „Thomas Mann International“. Das Festprogramm am 6. Juni (15 bis 18 Uhr) bietet Einblicke ins Archiv und in die Dauerausstellung – und die Gelegenheit, Thomas Mann in persönlichen Gegenständen nahezukommen, die man selbst mitbringen und vorstellen darf.

Zeitgleich widmet sich übrigens auch in Bad Tölz ein Festival dem Schriftsteller, der dort zeitweise ein Landhaus besaß. Neben einem nicht öffentlichen Staatsakt am Geburtstag lässt sich hier zwischen 1. und 7. Juni über das Thema Exil nachdenken – mit einer Ausstellung, Vorträgen, Konzerten und einer Lesung (Informationen: bad-toelz.de).

Das Exil ist eine leidvolle Erfahrung, die Thomas Mann mit vielen Menschen zu allen Zeiten teilt – auch wenn sein Fluchtort, zuletzt eine Villa in Los Angeles, vergleichsweise luxuriös ausgepolstert war. Wie sich die Geschichte mit der Gegenwart verbinden lässt, wird jedenfalls eine weitere Veranstaltung zeigen: Am 26. Juni hält Morgan Jerkins die diesjährige Erika Mann Lecture, von Monacensia und LMU organisiert. Welche Parallelen die junge US-amerikanische Bestseller-Autorin wohl sehen wird, welche Schlüsse sie zieht?

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