Thema des Tages Stiefmütter

Bonusmutter? Mit dem Begriff kann doch niemand etwas anfangen, sagt Eileen Kopf. Für ihre Selbsthilfegruppe, die sie im Oktober gegründet hat, verzichtet sie auf solche Wortschöpfungen. Die heißt ganz klassisch: "Stiefmütter München". Der Begriff ist zwar oft ziemlich negativ besetzt, "doch wir benutzen ihn trotzdem", sagt die 34-Jährige. Es geht ja auch nicht darum, die Dinge schönzureden. Das Leben in einer Patchwork-Familie bringt Probleme mit sich. Kopf weiß das. Vor fünf Jahren lernte sie ihren Mann kennen - und seine beiden Kinder, sechs und elf Jahre alt. Am Anfang klappte das Zusammenleben ganz gut, doch dann kamen die Schwierigkeiten. Die gebe es natürlich in jeder Familie, sagt Kopf, aber in Patchwork-Familien sei es noch mal wesentlich schwieriger. Da gebe es die Ex-Frauen, die eine große Rolle spielten - aus Sicht der Stiefmütter oft keine gute -, da sei das Problem, nicht akzeptiert zu werden von den Kindern, die finanzielle Situation. "Man hat viele Pflichten, aber nur wenig Rechte", sagt Kopf. Man bekomme als Stiefmutter beispielsweise keine Auskunft von der Schule oder dürfe das Kind nicht impfen lassen. Ihre Sorgen habe sie lange im stillen Kämmerlein gewälzt, "ich konnte mit niemandem darüber reden". Auch nicht mit dem Partner? Die Männer, sagt Kopf, säßen doch ohnehin zwischen allen Stühlen, müssten den Spagat schaffen zwischen Ex-Frau, neuer Partnerin und den Kindern. "Die haben genug mit sich selbst zu tun." Über den Blog der Autorin Susanne Petermann, die das Buch "Du hast mir gar nichts zu sagen" geschrieben hat, kam Kopf schließlich in Kontakt mit anderen Stiefmüttern. Und stellte fest: Es geht auch anderen so. Der Austausch im Internet führte schließlich zur Idee, regionale Selbsthilfegruppen zu gründen.

Die Treffen finden an jedem zweiten Montag im Monat um 19 Uhr im Mütterzentrum Sendling, Brudermühlstraße 42, statt. Kontakt: stiefmuetter-muenchen@gmx.de.