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Laubholzbockkäfer in München:Gefährlicher Gast

Unliebsamer Zeitgenosse: Der Schaden, den der Asiatischen Laubholzbockkäfer im Holz der Bäume hinterlässt, ist gravierend.

(Foto: Lukas Barth)
  • In Riem wurde der Asiatische Laubholzbockkäfer gesichtet. Er gilt als extrem gefährlich.
  • Die Larven, die das Weibchen unter der Rinde ablegt, fressen Löcher ins Holz, die Säfte im Baum können nicht mehr zirkulieren - der Baum stirbt ab.
  • Der Käfer reist in Holzpaletten aus China und Korea ein - und befällt vor allem Ahorn, Pappeln, Kastanien und Weiden. Kiefern und Eichen hingegen mag er nicht.

Einen Übeltäter würde sie ihn nicht gerade nennen, ebenso wenig als böse bezeichnen. "Hübsch sieht er aus, so apart", sagt Michaela Fischer mit Blick auf die Informationstafel am Rande des Lindenhains im Riemer Park. Das Foto darauf zeigt eine Ganzkörperaufnahme: schlanke Beine, lange Fühler, weiße Flecken auf einem schwarz schillernden Panzer. Sicherlich habe er dort, wo er herkommt, eine Funktion im Gefüge der Natur, glaubt Fischer, Kleingärtnerin in der Anlage unweit des Buga-Sees. Und trotzdem: Dass der Schädling - beziehungsweise seine Spuren - nun in Riem gesichtet wurde, also gewissermaßen die Stadtgrenze überkrabbelt hat, bereitet auch ihr Sorgen.

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Denn der in Holzpaletten aus China und Korea eingereiste Asiatische Laubholzbockkäfer ist extrem gefährlich: Die Larven, die das Weibchen unter der Rinde ablegt, fressen Löcher ins Holz, die Säfte im Baum können nicht mehr zirkulieren - der Baum stirbt ab. Kürzlich haben die Mitarbeiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Ebersberg jene für den unliebsamen Zeitgenossen typischen Bohrlöcher auch an einem Feldahorn im östlichen Riemer Wäldchen entdeckt.

15 Baumarten mussten gefällt werden

Die Fundstelle liegt etwa 400 bis 500 Meter westlich eines ehemals stark befallenen Waldes in der Landkreisgemeinde Feldkirchen, wo der Käfer im Oktober 2012 erstmals ausgemacht wurde, zwei Jahre später wurde er in Neubiberg gefunden. Um zu verhindern, dass der Schädling sich weiter ausbreitet, müssen laut EU-Vorgabe im Umkreis von 100 Metern einer Fundstelle alle Gehölze entfernt werden, die als Wirtsbäume in Frage kommen. Im Fall des Riemer Wäldchens handelt es sich dabei um 15 Baumarten.

Laubholzbockkäfer

Spuren des Schädlings wurden im östlichen Riemer Wäldchen entdeckt.

(Foto: Lukas Barth)

Glücklicherweise würden im Wäldchen auch Kiefern und Eichen wachsen, die der Käfer verschmähe, sagt Andreas Egl, der beim AELF für die Koordination der Schädlingsbekämpfung zuständig ist. "Seine Leibspeise ist der Ahorn." Auch Pappeln, Kastanien und Weiden schmecken ihm recht gut. Für die Fällung ist nun die Stadt München als Eigentümerin des Grundstücks zuständig, die Vorbereitungen laufen bereits. Bis Mitte Juni, schätzt Egl, sollen die Maßnahmen abgeschlossen sein. Einen Kahlschlag werde es in dem Wäldchen aber nicht geben, beruhigt er, schließlich gibt es dort genug Baumarten, die durch den Käfer nicht gefährdet seien.

Kiefern und Eichen rührt der Käfer nicht an

Anderen bereiten die geplanten Maßnahmen dennoch Unbehagen. Fällungen im Radius von 100 Metern? "Dann ist ja das halbe Wäldchen weg", fürchtet Sylvia Wittl. Sie wohnt direkt am Riemer Park, ihr Mann ist außerdem Vorstand des Vereins Kleingarten Südost. Weil ihr Schrebergärtchen innerhalb der Quarantänezone liegt, die in den vergangenen zweieinhalb Jahren mehr und mehr ausgeweitet wurde, muss sie ihre Gewächse schon jetzt penibel kontrollieren.

Hans Häuser wohnt ebenfalls in Riem und hat sich informiert: Dem Julius-Kühn-Institut zufolge, dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, könne der Käfer im Schnitt etwa 250 Meter weit fliegen. Eine Abholzaktion im Umkreis von einhundert Meter sei demnach inkonsequent. "Dieses prophylaktische Fällen ist doch Irrsinn", sagt Häuser, damit richte man mehr Schaden an als der Käfer selbst. Er befürchtet überdies, Riem könne in der Angelegenheit zum "Bauernopfer" werden. Denn: Fällungen dieses Ausmaßes in der Stadt München? In den Isarauen? "Den Aufruhr möchte ich mir nicht vorstellen."