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Thekla Carola Wied:"Sie haben sich eine Mutter wie mich gewünscht"

Im aktuellen Fernsehfilm spielt Thekla Carola Wied eine ernste, bittere Frau - also das Gegenteil dessen, was sie für gewöhnlich ausstrahlt.

(Foto: Catherina Hess)

Thekla Carola Wied spielte die herzliche Angie in der Serie "Ich heirate eine Familie". Seither ist sie auf Mutterrollen festgelegt. Doch damit gibt sie sich nicht zufrieden.

Thekla Carola Wied war in den Achtzigerjahren die vielleicht beliebteste Mutter Deutschlands. Sie spielte die herzliche Angi Schumann in der ZDF-Serie "Ich heirate eine Familie". Die 14 Folgen, die gefühlt 140 waren, schauten im Durchschnitt 20 Millionen Menschen an. "Was ich da an Post gekriegt habe", sagt sie. "Aktenordner voll." Kinder hätten von ihren Nöten mit den Eltern geschrieben. "Sie haben sich eine Mutter wie mich gewünscht."

Wied hat in der Serie eine Tochter und zwei Söhne. Werner Schumann (Peter Weck) ahnt anfangs nicht, dass Angi drei Kinder hat. Sie verheimlicht es. Als er es erfährt, haut er nicht ab. Er heiratet die ganze Familie.

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Thekla Carola Wied, die am kommenden Montag im Film "Ihr seid natürlich eingeladen" zu sehen ist (ZDF, 20.15 Uhr), sitzt im Garten der Bar Giornale in Schwabing. Sie ist offen, fröhlich, freundlich. Schon nach wenigen Minuten ahnt man, dass es ein angenehmes Gespräch werden wird.

Noch mal kurz zu "Ich heirate eine Familie". Man las, dass sie heute dankbar sei für diese Rolle, denn sie habe Türen geöffnet. Aber man las auch, dass Wied eine Zeit lang damit haderte. Es war dieses Pippi-Langstrumpf-Syndrom: So wie Inger Nilsson "nur" Pippi war, so war Wied eben "nur" Angi Schumann. "Ich war zwar mit einem Schlag bekannt", sagt sie, "aber dann habe ich gemerkt, dass dieser Erfolg für mich zwei Seiten hat."

Sie habe als patente Frau gegolten, als lustig, intelligent, gut aussehend, mütterlich. "Andere Sender und Regisseure wollten diesen Erfolg wiederholen - und haben mich für entsprechende Rollen angefragt", erzählt sie. "Aber ich wollte dieses Rollenmuster nicht weiterspielen." Sie macht eine Pause und guckt in die Sonne. Man müsse aufpassen, dass man im Schatten sitze, sagt sie. Dann nimmt sie den Gedanken wieder auf: "Ich wollte nicht nur die Familienkomödien-Mutter sein, ich wollte unterschiedlichste Rollen spielen - dafür bin ich doch Schauspielerin geworden."

"Ich mochte auch das Anderssein"

Thekla Carola Wied wurde 1944 in Breslau geboren. Die Familie musste 1945 fliehen, sie kam bei Verwandten in Berlin unter und war arm; "bitterarm", sagt Wied sogar. Der Vater, 1890 geboren, habe zwei Weltkriege mitgemacht und sei ein Patriarch gewesen, die Mutter immer krank. Dieser "Tristesse des Aufwachsens" habe sie etwas entgegensetzen müssen. "Ich hatte den Wunsch, Fantasiewelten zu schaffen." Mit der Schwester, die diese "Spinnereien" mitmachte, ging sie ins Kino, guckte Klassiker wie Felix Dahns "Ein Kampf um Rom", mit dem Gotenkönig Teja und dem blonden Jüngling Totila. "Meine Schwester liebte Totila, ich liebte Teja", sagt Wied. Teja war der Schwarzhaarige, der Wilde. "Ich mochte auch das Anderssein."

Als die junge Thekla den Wunsch äußerte, Schauspielerin zu werden, wurde sie vom Vater verhöhnt. "Da wollte ich es noch mehr", sagt sie und lacht. "Wie es halt immer ist."

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Man kann sich gut vorstellen, dass diese schlanke Frau beharrlich sein kann, sehr ehrgeizig, sehr zielstrebig. Sie hat einen direkten Zugang zu den Dingen, sie schweift auch im Gespräch nicht ab, bei keinem Thema, und man kann über alles mit ihr reden: über gesellschaftliche Entwicklungen, über Literatur, über den Unterschied zwischen Berlin und München, wo sie seit 1980 zu Hause ist, über Philosophie, über die junge Generation, über Smartphones. Thekla Carola Wied hat ein kleines, einfaches Handy. Und sie hat keinen E-Mail-Account. Wenn man ihr was schicken will, dann per Fax. Jüngere Leute denken beim Namen "Fax" wohl eher an eine dänische Biermarke oder an einen Zeichentrick-Wikinger, der so ähnlich heißt.

Das Versteckspiel hatte schnell ein Ende

Immerhin hat der strenge Vater die Töchter aufs Gymnasium geschickt, das war für die damalige Zeit nicht selbstverständlich; Mädchen mussten keine hohe Schuldbildung haben, sie würden ja eh heiraten und Kinder kriegen - so war die weit verbreitete Haltung. "Wir waren auf einem humanistischen Gymnasium", sagt Wied, "die ethisch-moralische Erziehung dort hat uns geprägt." Mit 21 - sie war nun volljährig und konnte machen, was sie wollte - bewarb sie sich bei der Folkwang Schule in Essen, einer Schauspielschule.

Sie wurde aufgenommen. Wied spielte am Theater, und sie bekam ihre erste Fernsehrolle. "Das ging eigentlich gar nicht", sagt sie, "wer am hehren Theater war, durfte nicht Film und Fernsehen machen." Also hielt sie es so geheim, wie man eine Fernsehrolle eben geheim halten kann, und spielte in "Spur eines Mädchens" unter "falschem" Namen, nicht als Thekla Wiedmann, wie sie eigentlich hieß, sondern als Carola Wied - zusammengesetzt aus dem Vornamen der Schwester und der Halbierung des Nachnamens.

Sie bekam für die Darstellung der schizophreniekranken Studentin Hanna den Deutschen Filmpreis. Man freute sich auch am Theater darüber, und das Versteckspiel war vorbei. Sie setzte ihren echten Vornamen vor den ersten Künstlernamen und hieß nun Thekla Carola Wied. "Ist doch insgesamt ein schöner Name", sagt sie.