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Thees Uhlmann in der Muffathalle:Ein Uhlmann, ein Wort!

Thees Uhlmann löst beim Konzert in der Muffathalle alle Versprechen ein: Die Live-Präsentation seines Soloalbums wird zum Freudenfest - und der Tomte-Sänger empfiehlt sich einmal mehr als Vorzeigeheld des deutschen Indie-Rock.

Das Konzert, das man nicht so schnell vergisst, endet mit einem Déjà-vu. Thees Uhlmann schlurft zurück auf die Bühne, zum dritten Mal an diesem Abend, um sein Publikum mit einer weiteren Zugabe zu belohnen. Und weil er die Songs seines Soloalbums bereits abgefeiert hat, spielt er das populärste Stück eben zweimal. "Das machen sonst nur Schülerbands", entschuldigt er sich - dabei dürfte es keinen in der ordentlich gefüllten Muffathalle geben, der nach dem Gastspiel des 37-Jährigen etwas zu mosern hätte.

Thees Uhlmann

Thees Uhlmann begeistert bei einem Konzert in der ordentlich gefüllten Muffathalle.

(Foto: oh)

Thees Uhlmann verzeiht man ohnehin alles: Der große Blonde kann auf der Bühne gehen wie ein Ägypter, seine Arme baumeln lassen wie ein Affe, sich freuen wie ein Kind - er bleibt authentisch, sympathisch, gut.

Und während der Sänger und seine Band die euphorisierten Zuhörer mit der Single Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf zurück ins Konzert philosophieren, wünschen die sich insgeheim, dem Déjà-vu würde kein Rien-ne-va-plus folgen. Doch natürlich geht danach nichts mehr, irgendwann ist immer Schluss (davon könnten die Lachse ein Lied singen - so sie denn trällern würden).

Thees Uhlmann ist ein Phänomen. Mit seiner Band Tomte demonstriert er seit vielen Jahren, dass Indie-Rock mit schlauen Texten sehr wohl massenkompatibel ist; dass die Hamburger Schule nicht nur Denker, sondern auch Denker mit Herz hervorbringen kann; dass Minnegesang eine Zukunft hat.

Uhlmann, 1974 in Hemmoor geboren, war Backliner bei Tocotronic, fördert mit seinem eigenen Label "Grand Hotel van Cleef" junge Bands und wird als Singer-Songwriter mit Hang zu Pathos und Poesie verehrt. Zurecht verehrt. Sensible Menschen müssen ihn mögen, diesen Vorzeigeheld des deutschen Indie-Rock.

Auf der Bühne vereinigt er seine Stärken als Klangprofi, Musiker und Frontmann zum nahezu perfekten Rockkonzert. Das beginnt schon beim ausbalancierten und druckvollen Sound, wie ihn nur wenige hinkriegen, und hört bei der exzellent aufgelegten Band noch lange nicht auf.

Und immer wieder Uhlmann! Der präsentiert seine Solostücke - die er schrieb, um sich etwas aus dem Tomte-Trott zu befreien -, als hätte er den (Americana-)Rock erfunden. Erst bläst er die Mundharmonika, als wäre er der niedersächsische Bruce Springsteen, dann schnappt er sich die Akustikgitarre, bevor er sich wieder aufs pure Singen konzentriert. Ach was, Schmachten! Die Lieder handeln von der rastlosen Reise durch das Leben, die Miniaturen sind voller Bilder, Romantik und schöner Sätze.

Das begrenzte Solo-Repertoire wird angereichert durch den schwelgerischen Tomte-Song New York und ein U2-Cover (womöglich eine Anspielung auf die lauter werdenden Stimmen, die fordern, Thees Uhlmann müsse in den Stadien dieses Landes singen).

Ein wichtiger Fixpunkt in dem jungen Projekt ist der Münchner Tobias Kuhn (Miles, Monta). Der hat nicht nur jene Platte produziert, um die es hier geht. Als einer der zwei Gitarristen spielt er auch auf der Bühne eine entscheidende Rolle: Immer wieder bringt ihn Uhlmann ins Spiel, singt ihn an, fordert ihn zum musikalischen Duett heraus.

Auch das ist eine wunderbare Eigenschaft, eine, die auf wahre Größe schließen lässt: Er bietet den Guten neben sich eine Chance. Die Schönheit der Chance. Ob dieser Mann auch Fehler hat? Nicht an diesem Abend.