Theatron im Olympiapark Funken der Zärtlichkeit

Der Theatron-Musiksommer und das Olympiapark-Sommerfest bieten viele Gratis-Konzerte und etwas Woodstock-Gefühl.

Von Michael Zirnstein

Woodstock war so einmalig, dass es sich zwangsläufig wiederholt. Zum 40. Jahrestag des legendären Open-Airs wird sein anarchischer Geist allenthalben beschworen, sogar im Olympiapark, Münchens adrettem Teletubby-Land. So nannte jüngst Kulturreferent Hans-Georg Küppers den Theatron-Musiksommer "Münchens Woodstock", und Sozialreferent Friedrich Graffe erinnerte sich, wie er in seiner Jugend "beim Theatron gelagert" habe.

Musik im Freien und für lau: das Theatron im Olympiapark.

(Foto: Foto: oh)

Woraufhin Festivalleiter Antonio Seidemann einwandte, das Zelten sei dort gar nicht gestattet. Picknicken aber sehr wohl, und so kann sich auf den sonnengewärmten Betonstufen bei Wein, Trubel und Gesang jeder ein bisschen wie auf den schlammigen Farmwiesen von Bethel fühlen. Wobei der Musiksommer keine drei Tage sondern 22 dauert, es hier nicht 32 sondern 53 Konzerte gibt, zu denen nicht 400.000 aber immerhin 100.000 Besucher kommen, und die müssen für freien Eintritt nicht erst Zäune niedertrampeln.

Die Palette des 1974 gestarteten Musiksommers ist noch bunter als die von Woodstock: Klassik (Hartmut Zöbeleys sinfonische Wien-Träumereien; 16.8.) gab es dort nicht, ebenso wenig Hip-Hop (Flüsterton, 14.8.) oder Punk (Horror-Combo, 15.8.) aus Jugendzentren sowie Tuareg-Rebellenrock (Terakraft, 9.8.) und Swing (Forum-2-Bigband, 20.8.). Der Folk kommt am Olympiasee aus Bayern (Kofelgschroa und Edelschwarz, 6.8.), aber es ist schon auch bei den hiesigen Künstlern eine hippiehafte Weltoffenheit da, etwa beim Ethnojazz des Chris Gall Trios (mit Enik, 5.8.) oder bei Schöngeist, die westliche Rock-Härte orientalisch veredeln (30.7.).

Vor allem aufstrebende Junge bekommen die Chance, ihren Ruhm vor 5000 Gästen zu mehren: ob "Piano-Fräulein" Alev Lenz (31.7.), die Funk-Kapelle Schein (2.8.), die Indierocker Celest (4.8.), die Reggae-Boys Jamaram (12.8.) oder die Finalisten des "Sprungbrett"-Wettbewerbs des Feierwerks (Tonwertkorrektur, Dice, Manekin Peace & Provo Beats, Solardrive, 10.8.). So wie einst die Scorpions oder die Sportfreunde Stiller. Auch viele Woodstock-Stars waren vor Woodstock kaum Stars.

"Love & Peace" fruchten: Stadt, Clubs, Vereine und Institute helfen zusammen. Selbst zum bisher rivalisierenden Olympiapark-Sommerfest schlagen "Funken der zärtlichen Annäherung" (Küppers) über. Auch nebenan bei den 100 Schaustellerbuden am Coubertinplatz spielen jeden Tag Bands, von der Kinderliederlieblingen Sternschnuppe (1.8.) über die Bananafishbones (6.8.) und den Songwriter Mathias Kellner (8.8.) bis zum "Jodical" der Alpenköniginnen und ihren Niedergeschnackselten ("Musikantenstadl auf Extasy", 7.8.).

Und freilich Willy Michl, der Isarindianer und "Jahrhundertmann, der sich verweigert hat, Weltstar zu werden" - der hätte nun wirklich prima nach Woodstock gepasst (31.7.).

Musiksommer, Theatron am Olympiasee, Do., 30. Juli, bis Do., 20. Aug., tägl. von 19 Uhr an; Sommerfest Impark 09, Do., 30 Juli, bis So., 16. Aug., tägl. von 11Uhr an, Feuerwerk am 6. & 13. Aug., 22 Uhr; Olympiapark, Eintritt jeweils frei.