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Theatinerkirche:Die Auferstehung des Heiligen Lukas

Originales und Ergänztes lassen sich bei Lukas auch aufgrund der unterschiedlichen Farben gut erkennen.

(Foto: Jörg Maxzin)

Jörg Maxzin hat die Figur des Evangelisten in der Theatinerkirche perfekt rekonstruiert

Von Sabine Reithmaier

Da steht er wieder, der Evangelist Lukas: ein ungeheuer präsenter Heiliger, mehr als drei Meter groß, zu seinen Füßen den Stier, sein Symbol. Rechts neben ihm verharrt - noch in Pappe - Matthäus, während auf der linken Seite des Chorraums in der Theatinerkirche Markus und Johannes wachen.

Zwischen 1670 und 1672 schuf der kurfürstlich bayrische Hofbildhauer Balthasar Ableitner die vier Figuren aus Lindenholz. Viele Kriege überstanden sie unversehrt. Doch die Bomben des Zweiten Weltkriegs zerstörten Matthäus völlig, während Lukas brennend in mehrere Teile zerbarst. Seine Fragmente galten lang als verschollen. Erst bei der jüngsten Innenrenovierung der Kirche vor elf Jahren entdeckten Restauratoren seinen Kopf, einen Teil des Oberkörpers, einen Arm und die fast unversehrte rechte Hand. Im Münchner Stadtmuseum fand sich schließlich noch der teilweise verkohlte Rumpf, integriert in eine Ausstellung über das im Krieg zerstörte München.

Damals entstand die Vision, die vier Evangelisten wieder möglichst originalgetreu aufzustellen. Erwin Emmerling, Professor für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft an der TU München, fand den richtigen Mann dafür: Er holte den Augsburger Bildhauer Jörg Maxzin, der sich erst einmal daran machte, die Fragmente zusammenzufügen. Als der Torso dann im Chorraum aufgestellt wurde, habe es ihn, sagt Maxzin, "emotional erwischt". "Ich wollte unbedingt die Ergänzungen machen."

Doch so einfach war das nicht. Schließlich lautete die Vorgabe des Denkmalschutzes, die Originalsubstanz zu erhalten und Ergänzungen reversibel zu gestalten. Maxzin, inzwischen Professor für 3-D-Animation an der Technische Hochschule Deggendorf, nutzte mit seinem Team die neuesten Techniken, experimentierte und bildhauerte im virtuellen Raum, schuf erst ein 3-D-Modell, dann eine Miniaturfigur aus Polyamid, ergänzte sie mit Plastilin, fräste die "Prothesen", überarbeitete sie dann noch einmal mit der Hand. "Entscheidend bleibt trotz aller Technik die bildhauerische Kompetenz", sagt er. Und jetzt kommt der Matthäus dran. In vier Jahren könnte er fertig sein.

© SZ vom 22.05.2015
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