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Theaterfestival:Unbeschreiblich weiblich

Gott wartet an der Haltestelle, Staatsschauspiel Dresden

Die Regisseurin Pınar Karabulut vom Staatstheater Dresden erkundet in ihrem Stück "Gott wartet an der Haltestelle" (Szene mit Laina Schwarz und Henriette Hölzel) die Tragödie hinter einem Selbstmordanschlag.

(Foto: Angerer, Krafft)

"Radikal jung" zeigt neun Inszenierungen am Volkstheater. Diesmal sind viele Regisseurinnen dabei, darunter Pinar Karabulut und Nora Abdel-Maksoud.

Natürlich ist es ein wenig albern, extra erwähnen zu müssen, dass bei "Radikal jung" in diesem Jahr zum ersten Mal mehr Produktionen von Regisseurinnen als von Regisseuren zu sehen sein werden - anders herum wäre es nämlich niemandem aufgefallen. Andererseits ist es noch immer nicht selbstverständlich, dass Frauen die gleichen Erfolge im Regiebetrieb haben wie Männer.

Deshalb ist es ein schönes Zeichen, dass die Jury des Festivals sechs interessante Regisseurinnen eingeladen hat. Die Jury, das sind noch immer Kilian Engels, C. Bernd Sucher und Annette Paulmann, die wieder ein spannendes Programm zusammen gestellt haben. Bekannte Namen sind dabei wie Pınar Karabulut, die gerade Achternbuschs "Dogtown Munich" am Volkstheater inszeniert hat. Sie wird mit "Gott wartet an der Haltestelle" (Staatsschauspiel Dresden) noch einmal zu Gast sein.

Ebenso Nora Abdel-Maksoud, die 2014 schon einmal mit "Kings" eingeladen war und nun ihren Abend "The Making of" (Maxim Gorki Theater Berlin) zeigt, in dem es um Geschlechterdiskriminierung in der Filmförderung geht. Zum ersten Mal eingeladen ist Samira Elagoz, eine finnisch-ägyptische Künstlerin, die selbst auf der Bühne steht in ihrer dokumentarischen Performance "Cock Cock... Who's there?". Elagoz verarbeitet darin das Thema sexuelle Gewalt und hat für ihr Stück über das Internet zu verschiedenen Männern auf der ganzen Welt Kontakt aufgenommen.

Drei Regisseure sind auch dabei, JanPhilipp Stange zum Beispiel. Sein Werk "Der 2. Mai 2017" (Studio Naxos und Hessische Theaterakademie Frankfurt) wird sich mit der fiktiven Tagesschau vom 2. Mai 2017 beschäftigen. Musiker interpretieren da Texte mit Instrumenten, ein Schnellschreiber transkribiert live.

"Kroniek oder wie man einen Toten im Apartment nebenan für 28 Monate vergisst" lautet der kompakte Titel von Florian Fischers Beitrag (NT Gent). Darin behandelt er den realen Fall eines 2005 gefundenen Mannes, der mehr als zwei Jahre lang tot in seiner Wohnung lag. Niemand hatte ihn vermisst.

Als eigenen Beitrag im Wettstreit um die Gunst des Publikums schickt das Volkstheater einen Klassiker ins Rennen: Franz Kafkas "Das Schloss", inszeniert von Nicolas Charaux.

Radikal jung, Theaterfestival, Freitag, 28. April bis Sonntag, 7. Mai, Volkstheater, Brienner Straße 50, 089 / 523 46 55

© SZ vom 09.03.17/bhi

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