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Theater:Was der Freiheit zu opfern ist

DANTONS TOD

Die Revolution ist schon am Ende, die Fassaden sind zerfallen, jetzt beginnt das Ringen um die Umsetzung der Ideale.

(Foto: Sandra Then)

Sebastian Baumgarten gibt am Residenztheater mit "Dantons Tod" sein Debüt. Die Premiere ist für Freitagabend angesetzt.

Von Christiane Lutz

Die Produktion "Dantons Tod" in der Inszenierung von Sebastian Baumgarten hätte eigentlich schon vergangenen Sommer im Residenztheater Premiere haben sollen. Doch mit Probenbeginn wurden die Theater geschlossen, so dass sich das große Team wochenlang über Video zu Proben treffen musste. Besprochen wurde dann erst einmal Grundsätzliches zu dem Stück von Georg Büchner. Der hat seinen Text aus dem Jahr 1835 in nur fünf Wochen aufgeschrieben. Er hat dafür etliche historische Quellen und Dokumente der Französischen Revolution studiert, deren Ideale von "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" das Verständnis moderner europäischer Demokratie maßgeblich mitgeformt haben. Er beschreibt die unterschiedlichen Visionen, die die Revolutionäre für die Zukunft haben und wie schwierig es ist, Politik zu machen, die für möglichst viele Menschen funktioniert. Wie gelingt es, Ideale in Gesetze zu übertragen? Danton etwa, ein wohlhabender Lebemann, fordert einen liberalen Staat, in dem auch die persönliche Selbstverwirklichung Platz findet. Dem gegenüber steht der fanatische Revolutionsführer Robespierre, der mit Uneigennützigkeit und Hingabe an die Sache der Revolution appelliert und auch vor Gewalt nicht zurückschreckt. Und dann ist da das einfache Volk, das ums schiere Überleben kämpft und sich kaum um Ideale schert.

Sebastian Baumgarten, der den Studiengang Regie an der Theaterakademie leitet und an etlichen Häusern sowie Opern inszeniert, gibt mit dieser Inszenierung sein Regie-Debüt in München. Er interessiert sich für den Moment des Umbruchs, der Revolution und für die Frage, was Revolution bedeutet. Und unter welchen Bedingungen die von ihr geforderte Veränderung möglich sein könnten. Ob ein Neuanfang nach einer Revolution überhaupt denkbar ist. Vor allem auch: Was darf dem Revolutionsgedanken geopfert werden?

Bei ihm ist der Spielort von "Dantons Tod" eine Art zusammenfallender Plattenbau, wie das Szenario einer zerstörten Zukunft, von der aus zurück geblickt wird. Von der Situation ausgehend schlüpfen das riesige Ensemble von 17 Spielern in die historischen Figuren - etwa Florian von Manteuffel als Danton, Lukas Rüppel als Robespierre, Carolin Conrad als dessen rechte Hand Saint-Just - und tragen die Konflikte aus.

Dantons Tod, Premiere am Freitag, 30. Oktober, 19.30 Uhr, Residenztheater, Max-Joseph-Platz 1, Telefon 21 85 19 40

© SZ vom 28.10.2020

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