Theater Sommernachtsalptraum im Volkstheater

Schon im vergangenen Jahr durfte Regisseur Kieran Joel die Saison am Volkstheater einläuten. Diesmal hat er sich Shakespeares Klassiker um vier liebesverwirrte Athener und eine Elfenbande ausgesucht.

Von Christiane Lutz

Der Saft einer magischen Liebesblume, im Schlaf auf die Augen geträufelt, soll Menschen dazu bringen, sich in den erstbesten zu verlieben, der ihnen nach dem Aufwachen begegnet. In Shakespeares "Sommernachtstraum" stiftet diese Liebesblume ordentlich Verwirrung. Puck, der Hofnarr des Elfenkönigs Oberon, tropft ihren Saft auf die Lider des schlafenden Athener Lysander, wo er eigentlich Demetrius hätte treffen wollen. Lysander verliebt sich in Helena, die aber eigentlich in Demetrius verliebt ist. Und Hermia, einst glücklich mit Lysander, ist allein.

Der junge Regisseur Kieran Joel findet, dass es eigentlich keine Liebesblume als Hilfsmittel braucht, um den menschlichen Liebeswahnsinn zu entfachen. Die Menschen verliebten sich ohnehin mit Vorliebe in die Falschen, Drama gäbe es auch ohne Zauberei genug. Im Gegenteil sogar: der menschliche Liebeswahn sei in einer durchrationalisierten Welt eine der letzten Refugien des Irrationalen. Deshalb wird er in seiner Inszenierung des "Sommernachtstraums" am Volkstheater die Liebesblume auch einfach weglassen. Jede Liebeshandlung ist aus der Psychologie der Figur motiviert. Den Regisseur interessiert die Frage, wodurch menschliches Begehren eigentlich gesteuert wird.

Das Thema beschäftigt Joel schon eine Weile, vergangene Spielzeit inszenierte Joel "Romeo und Julia", ein weiteres Liebeswahnsinnsdrama William Shakespeares, ebenfalls am Volkstheater.

Auf die Rahmenhandlung des Stücks, die Hochzeit von Theseus und Hippolyta am Hof von Athen, verzichtet er ebenfalls. Er erzählt die Geschichte aus der Sicht der vier unglücklich Verliebten - Hermia, Helena, Lysander und Demetrius -, die sich im Wald wiederfinden und zu rekonstruieren versuchen, was in der Nacht passiert ist. Die Liebenden (Nina Steils, Carolin Hartmann, Sebastian Schneider und Timocin Ziegler) werden die gleichen Kostüme tragen - als Zeichen ihrer Austauschbarkeit. Die Sommernacht soll bei Joel durchaus auch eine Alptraumnacht sein, weniger das niedlich-verwunschene Ringelreihen, zu dem das Stück immer wieder gern gemacht wird. Gespielt wird in einer alten Theaterruine, bei der sich Bühnenbildnerin Belle Santos von Baz Luhrmanns Version von "Romeo und Julia" aus dem Jahr 1996 inspirieren ließ.