Theater-Roadshow Wirbel im Wilden Westen

Keine Wildwest-Show für Mädchen? Nichts da!

(Foto: Matthias Ferdinand Döring)

"Die katastrophale Johanna" erzählt von einem Mädchen, das auszieht, um mit Büffeln und Indianern zu kämpfen.

Von Barbara Hordych

"Wo ist denn das Geburtstagskind?" begehrt Buffalo Bill zu wissen, nachdem er auf seinem Ross -in diesem Fall ein Fahrrad, das Hufgeklapper mit sich führt - den Abhang zur Isar heruntergebrettert und dort abgesprungen ist. "Hier!" schallt es ihm entgegen. Buffalo Bills Blick fällt ungläubig auf das Mädchen Johanna in goldenem Kleid und grünen Gummistiefeln.

"Aber du bist doch gar kein Boy, du bist ein Girl! Und für die gibt's die Wildwest-Show nicht, für die gibt's die Meerjungfrauen-Party, oder die....". "Aber wir haben den Wildwest-Geburtstag gebucht!" fällt Johannas Mutter Dim Schlichter alias Buffalo Bill ins Wort. Und Johanna verlangt vehement: "Ich möchte mit Pistolen schießen, mit Büffeln kämpfen und mein Ohr auf Gleise legen. . .". Das ist erst der Anfang von so einigen Schlachten um geschlechterspezifische Vorstellungen, die die Zuschauer erleben, wenn Charlotte Pfeifer in der Titelrolle der zehnjährigen Johanna mit dem Theatertreck "Traummaschine" in den Isarauen unterwegs ist.

Nicht umsonst heißt die erste Produktion des Ensembles für Münchner Kinder - ihre vorherigen Stücke realisierten sie in Hamburg - "Die katastrophale Johanna". Um sie zufrieden zu stellen, findet Buffalo Bill dann ein "Rollenvorbild", das sich für das querköpfige Geburtstagskind eignet: Calamity Jane. "Sie war Scout, Postkutschenfahrerin, Goldgräberin, Krankenschwester und Hebamme", erklärt Judith Huber.

In München sind die Schauspielerin wie auch ihre Mitstreiter Christoph Theussl und Dim Sclichter durch ihr Performanceprojekt "Bairishe Geisha" bekannt. In der Roadshow gibt Huber jetzt nicht nur die Mutter, sondern steht auch mal als Totempfahl in der Gegend, wenn es die Szene verlangt. Trotz herbstlich kühler Temperaturen sind die Schauspieler und Musiker entschlossen, ihre einstündige Aufführung am Ufer der Isar durchzuziehen.

Die Hamburgerin Charlotte Pfeifer, die das Künstlerteam komplettiert, begeistert sich für die historische Calamity Jane, weil sich an ihrer Figur so viel festmachen lasse: "Wie schwer es damals war, abseits der Rollenmuster zu wählen; denn Frauen aus dieser Zeit kennt man eigentlich nur als Farmerinnen, Squaws oder Saloonsängerinnen". Tatsächlich trat Calamity Jane auch von 1893 an als Reiterin und Kunstschützin in Buffalo Bills Wildwest Show auf - da war deren Gastspiel auf der Münchner Theresienwiese im Jahr 1890 allerdings schon vorbei.

Trotzdem mache es Sinn, sie alle in diesem Projekt zusammenzuspannen, sagt Pfeifer. Die witzig gegen den Strich gebürsteten Szenen halten übrigens nicht nur für Mädchen einen Rollenwechsel als Cowgirl parat: Auch Buffalo Bill zeigt sich beim "Waschbrettduell" mit dem Percussionisten Pascal Fuhlbrügge von einer ungewohnten Seite. Doch Wäsche waschen mussten die Kerle von damals schließlich auch. Zumindest gelegentlich.

Die katastrophale Johanna, Do. 20. und Fr. 21. Okt., 10.30 und 15 Uhr; Sa., 22. Okt., 14 Uhr. Treffpunkt: U3 Thalkirchen - Ausstieg Tierpark; tickets@ratundtat-kulturbuero.de