Im vergangenen Jahr war die Enttäuschung groß, ein schöner Sommerausflug fiel aus. Wegen zu geringer Nachfrage im Vorverkauf wurde die Premiere von „Der Rebell“ im Passionstheater Oberammergau abgesagt, eine Geschichte über den bayerischen Räuberhauptmann Matthias Klostermayr. Umso erfreulicher ist es, dass es am Freitag, 4. Juli, auf der großen Freilichtbühne die diesjährige Sommerpremiere geben wird: Christian Stückl, Spielleiter in Oberammergau und Intendant des Münchner Volkstheaters, inszeniert Romeo und Julia, die wohl berühmteste Liebestragödie der Welt.
Mit Shakespeare kennt sich Christian Stückl aus, zuletzt brachte er in Oberammergau 2023 „Julius Cäsar“ auf die Bühne, wenig später im Volkstheater „Was ihr wollt“. Bei „Romeo und Julia“ arbeitet Stückl mit einem jungen Ensemble, es ist der Nachwuchs für die Passionsspiele 2030, der sich hier vorbereiten kann. Dabei geht der Regisseur nicht historisierend an die Tragödie heran, Bühne und Kostüme sind ebenfalls heutig, dazu gibt es eine große Chor- und Orchesterbesetzung. Markus Zwink dirigiert 70 Sängerinnen und Sänger und ein 30-köpfiges Orchester. Der Abend soll rund zwei Stunden dauern.
Von München gibt es einen organisierten Bustransfer, der sich mit dem Ticket buchen lässt. Im Passionstheater steht „Romeo und Julia“ bis zum 2. August an den Wochenenden auf dem Programm. Nur am 11. und 12. Juli gehört die Freilichtbühne dem Brandner Kasper, der Kult-Inszenierung aus dem Volkstheater, die kürzlich ihr 20-Jähriges feierte. Den Abschluss im Passionstheater bildet dann traditionell das „Heimatsound Festival“ am 8. und 9. August.

Einen Open-Air-Shakespeare in viel kleinerem Format gibt es auch in der Landeshauptstadt, vom 3. bis 26. Juli bespielt das Münchner Sommertheater das Amphitheater im Englischen Garten mit dem Sommernachtstraum. Vorstellungen mit einem Ensemble aus professionellen Spielern, Studierenden und erfahrenen Laien sind immer donnerstags, freitags und samstags bei Einbruch der Dunkelheit gegen 21 Uhr. Bei Regen wird die Vorstellung in die Mohr-Villa verlegt (Infos: www.muenchner-sommertheater.de).
Etwas vom Open-Air-Feeling nimmt auch das neue Theaterlabor auf dem Tollwood-Festival mit. Ein kleiner Bühnenraum unter Bäumen ist entstanden, der wechselndes Programm zeigt. Als Nächstes, am 1. Juli, zieht dort die spanische Compagnie Ymedioteatro ein, zwei Komiker, die mit ihrer Mischung aus Schau- und Puppenspiel, Objekt- und Clownskunst ihr Publikum begeistern und zum Lachen bringen wollen (Infos: www.tollwood.de)

Auch wenn diese Freiluft-Veranstaltungen ein sicheres Zeichen sind, dass die Theaterhäuser bald in die Sommerpause gehen: Ein paar Ereignisse gibt es noch drinnen. So ist etwa die Lange Nacht der neuen Dramatik an den Münchner Kammerspielen immer ein Ereignis. Vier Texte von Nachwuchsautoren werden dieses Jahr am 5. Juli in kurzen, schnell entwickelten Inszenierungen hintereinander präsentiert. Am Ende wird ein Text ausgezeichnet mit dem „Internationalen Edith-und-Werner-Rieder-Preis“, er ist mit 20 000 Euro die höchstdotierte Auszeichnungen für Dramatik im deutschsprachigen Raum.
Das Metropoltheater nimmt sich Heinrich von Kleists Novelle Michael Kohlhaas vor, Jochen Schölch inszeniert die als Solo-Abend angelegte Bühnenadaption mit Marc-Philipp Kochendörfer. Premiere ist am 9. Juli. Eine Komödie um eine Frau und einen Mann, die zusammen in einer WG wohnen, sich verabscheuen, zugleich aber auf der Suche nach der Liebe sind, zeigt das Theater ... und so fort. Zu sehen ist Tür an Tür von Fabrice Roger-Lacan in der Regie von Heinz Konrad ab dem 17. Juli.
Und schließlich wird es im Werkraum der Kammerspiele noch die Uraufführung Wood Wood Wood von Christiane Huber geben. Die Theatermacherin hat dafür an der polnisch-belarussischen Grenze im Białowieża Wald geforscht und zeigt nun die unheimliche Seite eines Idylls (18. und 19. Juli). Sie holt quasi das Draußen nach drinnen, bevor das Drinnen komplett nach draußen oder in den Urlaub zieht.

