Premiere:Lebensmut und lebensmüde

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Premiere: In Frank Piotraschkes Stück "Mondscheinspringer" stehen (v.l.) Gunter (Heiko Dietz), Ingo (Olaf Droege) und Yvi (Christine Winter) am Ende zu dritt auf dem Brückenpfeiler und fürchten den Abgrund.

In Frank Piotraschkes Stück "Mondscheinspringer" stehen (v.l.) Gunter (Heiko Dietz), Ingo (Olaf Droege) und Yvi (Christine Winter) am Ende zu dritt auf dem Brückenpfeiler und fürchten den Abgrund.

(Foto: Thomas Hafner)

Das "Theater... und so fort" zeigt Frank Piotraschkes "Mondscheinspringer".

Von Magdalena Zumbusch

Gunter steht schon auf dem Brückenpfeiler, bereit zum Sprung. Doch plötzlich klettert eine Unbekannte über das Geländer zu ihm. Zum Verzweifeln, so ein Selbstmord ist ja doch etwas Privates. Gunter will weg, aber merkt: Von dem Pfeiler gibt es ohne Hilfe kein Zurück auf die Brücke. Mit dieser schrägen Ausgangslage startet Frank Piotraschkes Stück "Mondscheinspringer". Im "Theater... und so fort" hat er jetzt die Uraufführung eingerichtet.

Der Brückenpfeiler steht als kurzer Stumpf hier mitten auf der Bühne, mit Graffiti verziert, links ragt das Geländer in den Raum. Auf dem Pfeiler entspinnt sich nun ein Dialog zwischen Gunter (Heiko Dietz) und ihr, Yvi (Christine Winter), der zwei Persönlichkeiten offenlegt, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Kindlich-aufdringlich in Yvis Fall, desillusioniert und zurückgezogen in Gunters Fall. Yvis viele unsinnige Fragen treffen auf einen, der menschliche Gesellschaft grundsätzlich nicht mag. Gunter wehrt sich mit Sarkasmus. Sein Humor begeistert das Publikum im Lauf des Abends immer wieder. Aber letztlich ist es Yvi, die dem Gespräch Tiefe gibt, als sie sich Gunter öffnet und von ihm das Gleiche verlangt.

Das Gespräch kreist um die Schicksale der beiden. Dass Yvi ihren Lebenswillen nicht wirklich verloren hat, vermittelt schon Winters Spiel der Figur: Yvi bewegt sich energetisch und mit Leichtigkeit. Meist gelingt das authentisch, teils aber auch nicht: Als sich Yvi, selbst noch auf der Brücke stehend, vor Lachen über Gunters akribische Planung seines Suizids nicht mehr halten kann etwa. Umso überzeugender spielt Dietz den lebensmüden Gunter als völlig apathisches Wesen. Aus einem bleiern-schweren Thema macht der Wortwitz Piotraschkes, der den Text auch geschrieben hat, einen unterhaltsamen Abend. Und wird der Ernsthaftigkeit doch gerecht.

Mondscheinspringer, "Theater... und so fort", Aufführungen bis 30. Dez., Hinterbärenbadstr. 2, undsofort.de

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