Travestiekünstler Chris Kolonko„Ich bin eben ein Kerl, der sich gerne gelegentlich in eine Prinzessin verwandelt“

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Alles im Fluss: Gerade noch feuerte Chris Kolonko als Schlager-selige Witwe Berta das Publikum mit „Hossa!“-Rufen an, kurz darauf schreitet er als Diva die Treppe hinunter.
Alles im Fluss: Gerade noch feuerte Chris Kolonko als Schlager-selige Witwe Berta das Publikum mit „Hossa!“-Rufen an, kurz darauf schreitet er als Diva die Treppe hinunter. Hofspielhaus

Seit vielen Jahren begeistert Chris Kolonko als famoser Travestiekünstler. Bei seiner „Summer Night“ okkupiert er das komplette Münchner Hofspielhaus – und beweist als Berta, Marlene und Peter Pan: Einer kann so viele sein.

Von Barbara Hordych

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Schon vor dem Beginn dieser ganz speziellen Sommernacht im Hofspielhaus ist das Markenzeichen von Chris Kolonko vom Gehweg aus zu erspähen: Seine langen Beine hat  der Travestiekünstler über das Fenstersims geschwungen, während er hoch oben über den Köpfen des Publikums „Could It Be Magic“ anstimmt.

Nicht lange, und Kolonko selbst erscheint in voller Größe, allerdings nicht in Gala-Robe, nicht auf hohen Pumps und ganz ohne Federn, stattdessen mit fest gewickeltem schwarzen Turban und schwarz geränderter Brille: Auftritt frei für die rüstige Witwe Berta, die mit viereckiger Handtasche, keckem Mundwerk und auf klobigen Sandalen ihre Gästeschar einsammelt und hineinbittet.

Ihren verstorbenen Karl-Heinz führe sie in einer Urne mit sich, erklärt sie den Zuschauern im lauschigen Innenhof. Das angekündigte Gewitter bleibt am Premierenabend glücklicherweise aus, nur Karl-Heinz in seiner Urne bekommt kurz „nasse Füße“, wie Berta besorgt feststellt, als ein wenig ihres Getränks aus dem Glas hinaus schwappt.

Ausgesprochen Schlager-selig ist diese Lady – nicht von ungefähr heißt ein Erfolgsprogramm des Kreuzfahrtschiff-gestählten Kolonko „Berta schlagert sich glücklich“ – und so gibt Berta, vorgeblich ausgebüxt aus dem Josefs Stift, neben Beobachtungen aus dem Altenheim und Anekdotischem zu Thomas Gottschalk, Cher und Helene Fischer, stimmgewaltig ein Karel-Gott-Medley zum Besten. Bei Rex Gildos „Fiesta Americana“ hat Berta auch den letzten Schlagermuffel überwältigt – und die Zuhörerschaft zu lauten „Hossa!“-Rufen motiviert.

Sodann geht es weiter in das Innere des Hauses, wo Kolonko nach schnellem Kostüm- und Perückenwechsel dann doch die Diva herauskehrt. Als Marlene Dietrich schreitet er im weißen Frack die Treppe zur Bar hinunter, erzählt von den Dreharbeiten zum Hollywoodfilm „Marokko“, präsentiert den Filmsong „Quand l’amour meurt“. Auch von Dietrichs legendärem Auftritt in Hosen schwärmt er, „kaum zu glauben, meine Damen, sie war die erste Frau, die das im Film wagte!“. „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ kommt im Weiteren genauso zu Gehör wie „Johnny, wenn Du Geburtstag hast“ oder die „fesche Lola“. Spätestens jetzt überzeugt der wandlungsfähige Kolonko auch all jene, denen die Schlagerwelt von vor knapp 100 Jahren näher ist als die heutige.

Nach einer Thekenperformance mit nackter schweißglänzender Brust im grünen Blätterkostüm als Peter Pan (dessen „Nimmerland“-Song freilich hart am Kitsch schrammt) kommen schließlich im intimen Setting der kleinen Bühne im Keller Glitter und Glamour, Roben und Federboas zum Einsatz, wird es gefühlt immer persönlicher. „Ich bin eben ein Kerl, der sich gerne gelegentlich in eine Prinzessin verwandelt!“, bekennt er selbstbewusst.

Mit Begriffen wie „non-binär“ könne er nicht viel anfangen, Festlegungen seien ihm ohnehin zuwider, plaudert er weiter. Stattdessen belegt er mit Songs aus „La Cage aux folles“ bis „Cabaret“, insbesondere mit der berührenden Performance von „Maybe this time“, dass „Solo-Künstler“ eigentlich keine treffende Bezeichnung ist für diesen Meister der schillernden Verwandlungskunst. Denn hier ist einer ganz viele, ist alles im Fluss.

Chris Kolonkos Summer Night, auch am 7. und 8. Juni sowie von 25. bis 29. Juni, jeweils 19 Uhr, Hofspielhaus München

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