bedeckt München 16°

Theater:Jubiläum in schwerer Zeit

"Ludwigs Festspielhaus" in Füssen kämpft gegen die Folgen der Krise

Von Sabine Reithmaier, Füssen

Theaterleiter Benjamin Sahler hadert ein wenig mit dem Schicksal. Fünf Jahre haben er und sein Team in "Ludwigs Festspielhaus" Aufbauarbeit geleistet und geschuftet bis zur Selbstaufgabe. "Heuer hätten wir zum ersten Mal die heiß ersehnte schwarze Null erreicht", sagt er. Hätte er vielleicht, wenn nicht das Corona-Virus und in Folge die Theaterschließung gekommen wären. Doch das Team des privat betriebenen Musical-Theaters ist krisenerprobt. "Wir werden auch das überstehen und meistern", sagt Sahler.

Das Theater am Ufer des Forggensee mit Blick auf Neuschwanstein ist heuer exakt 20 Jahre alt, hat schon viele Träume platzen sehen und drei Insolvenzen überstanden. Inzwischen gehört es dem in Marktoberdorf geborenen Unternehmer Manfred Rietzler, der es Ende 2016 "aus Heimatverbundenheit" (Rietzler) kaufte. Sahler war damals erst kurz am Haus, hatte mit einer Crowdfunding-Aktion das Ludwig-Musical im August 2016 wieder auf die Bühne gebracht.

Rietzler steckte Geld in das Theater, renovierte, sanierte und machte 2017 Sahler zum Theaterdirektor. Der verschaffte dem Haus mit Eigenproduktionen wie "Ludwig²", "Die Päpstin" oder einem "Ring" in Rockversion Publikumszuspruch und Erfolg. Bislang trägt Rietzler "mäzenatenhaft" (Sahler) das alljährlich anfallende Defizit, denn das Haus erhält keinerlei öffentliche Förderung. "Keinen Euro", sagt Sahler. "Eigentlich ein Modell, das nicht funktionieren kann." Jetzt in diesen schwierigen Zeiten hat er das Gefühl, andere politische Signale zu empfangen und glaubt auf Landes- und Bundesebene Aufmerksamkeit für das Festspielhaus festzustellen. "Daher haben wir die große Hoffnung, auch einmal etwas aus den Fördertöpfen abzubekommen. Wir hätten es uns verdient."

Ansonsten gilt es abzuwarten, bis wieder gespielt werden darf. Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, das Haus im Dornröschenschlaf. Die Soforthilfen des Bundes sichern das Überleben. Hilfreich sei die Gutscheinlösung der Bundesregierung, sagt Sahler. Statt Tickets rückzuerstatten, dürfen Veranstalter bei Corona-bedingten Absagen gleichwertige Gutscheine ausstellen. "Wir hatten schon Zehntausende Tickets für die laufende Saison verkauft", sagt Sahler. "Nicht auszudenken, wenn wir das hätten rückerstatten müssen."

Er hofft auf Einnahmen durch eine Solidaritätsaktion mit Ticket-Gutscheinen für die Musicals einschließlich der für November geplanten Premiere eines Zeppelin-Musical von Ralph Siegel. "Läuft gut", sagt er. "Schließlich sind wir gekommen, um zu bleiben."

© SZ vom 16.04.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite