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Theater:Eine Lanze für die Freiheit brechen

Vom "Apfelwald" zu den Rittern der Tafelrunde: Die Schauburg startet mit einem Fest in die neue Spielzeit, die unter dem Motto "Freiheit" steht.

Von Barbara Hordych

Fechten wie König Artus, Papierschiffe fahren wie der standhafte Zinnsoldat und Äpfel jonglieren wie im Apfelwald - das sind nur einige der Aktivitäten, die die Schauburg an diesem Wochenende bei ihrem Theaterfest zum Start in die neue Spielzeit anbietet. Gemäß der Devise, wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss halt der Berg sich auf den Weg machen, strömen die Mitarbeiter vom Elisabethplatz aus in die Stadt. Am Samstag und Sonntag, 19. und 20. September, zwischen 10 und 18 Uhr sind Schauspieler, Theaterpädagogen, Dramaturgen und Backstage-Künstler mit zwei mobilen Stationen unterwegs, um das kommende Programm vorstellen. Anzutreffen sind sie im Olympiapark, auf dem Rotkreuzplatz, am Tierpark Hellabrunn und natürlich auch am Elisabethmarkt, wo die Zuschauer gegenüber dem Theater der Jugend zum Mitmachen aufgefordert sind.

Als glückliche Entscheidung hat sich für Intendantin Andrea Gronemeyer erwiesen, dass sie noch vor dem Ausbruch von Corona für den Auftakt der neuen Saison 20/21 eine Produktion ohne Worte geplant hat. Die Premiere von "Der Apfelwald", ein reines Bildertheaterstück für Zuschauer ab vier Jahren, wird am 30. September die Große Burg eröffnen. Sprechen auf der Bühne bedeutet tendenziell immer auch ein Risiko, was bei diesem Stück jedoch kein Problem sein dürfte: Drei sehr unterschiedliche Gestalten erwachen in einem Traumwald. Sie suchen ihren Weg, ihren Raum und sich selbst. Abstand scheint geboten, Türen bleiben lieber geschlossen. Doch die Neugier treibt sie schließlich hinaus. Sie entdecken, wo Freiheit anfängt und wo sie endet - und stimmen damit auf das aktuelle Spielzeitmotto "Freiheit" ein.

Wimmelbilder Schauburg

Die Schauspieler, Theaterpädagogen und Backstage-Künstler der Schauburg im Wimmelbild.

(Foto: Fabian Frinzel, parat.cc)

Was für den "Apfelwald" gilt, dürfte auch auf das Internationale Figurentheaterfestival unter dem Motto "Wunder" zutreffen, das die Puppenspiel-Expertin Mascha Erbelding vom Stadtmuseum gemeinsam mit Gronemeyer sowie mit Conny Beckstein und Marion Schäfer vom Verein Kultur und Spielraum zusammengestellt hat. Auch das scheint Pandemie-tauglich, agieren im Figurentheater in der Regel doch Puppen, geführt von nur wenigen Menschen (17. Oktober bis 1. November).

Eine weitere Reflexion des Spielzeitmottos "Freiheit" bietet die Tafelrunde um König Artus, in der ein Modellprojekt für Demokratie steckt. Eine moderne Fassung des Sagenstoffes unter dem Titel "King A - Eine Ode an jedes Ritterherz" wird am 14. November auf die Bühne der Schauburg kommen. Auch hier könnte es sich als ein glücklicher Umstand erweisen, dass die Heldinnen und Helden vermutlich Ritterhelme tragen - geschlossene Visiere ähneln ja durchaus den Plexiglasschirmen, mit denen Menschen sich derzeit vor zu viel Nähe wappnen. Wobei man beim Stück der Stunde wäre, Juli Zehs "Corpus Delicti", das in der vergangenen Spielzeit an der Schauburg Premiere feierte. Die Dystopie um eine Gesundheitsdiktatur wird am 9. Oktober wieder aufgenommen.

Theaterfest, Sa./So., 19. /20. Sep., 10 bis 18 Uhr, Schauburg am Elisabethplatz und an diversen Orten, Eintritt frei

© SZ vom 17.09.2020

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