Theater Das sind die sechs spannendsten Premieren an Münchens Theatern

Die neue Spielzeit hat begonnen - so politisch wie schon lange nicht mehr und mit berührenden Einzelschicksalen auf der Bühne. Eine Übersicht.

Weltbild gegen Weltbild - "Die Räuber" im Residenztheater

Schon die gigantische Apparatur auf der Bühne überwältigt nicht nur die Schauspieler, sondern auch die Zuschauer: Vier im Theaternebel metallisch schimmernde Laufbänder geben die Richtung vor, in der Karl und Franz Moor ihre gegensätzlichen Lebensentwürfe im Marschtritt auf die Bühne stampfen.

Bei Franz (Valery Tscheplanowa in einer Hosenrolle) ist dieser messerscharf rationalistisch bis zum Nihilismus, beim Räuberhauptmann Karl (Franz Pätzold) idealistisch-rebellisch. Er tritt hier in Begleitung seiner laut deklamierenden, schwarzuniformierten Truppe auf. Regisseur Ulrich Rasche zeigt den Kampf der beiden Weltanschauungen in Schillers Sturm-und-Drang-Drama als spätmodernes, pseudo-politisches Schattengefecht. Es wartet mit eindrucksvollen Bildern und Tönen auf: Gezeigt wird die Entstehung einer sich selbst radikalisierenden Bewegung, die nicht mehr aus einem politischen Anliegen, sondern nurmehr aus einem diffusen Gefühl des Unbehagens heraus entsteht und totalitäre Züge annimmt. Franz Pätzolds Ausruf: "Ich bin mein Himmel und meine Hölle" wird hier zum Schlüsselsatz der Bewegung.

Die Meinungen der Kritiker über dieses düstere Spektakel gehen auseinander: Während die einen angetan sind vom "formstrengen Überwältigungstheater", das sprachlich und erzählerisch überzeuge, finden die anderen die bombastischen Bilder einfach nur banal.

Nächste Aufführungen im Residenztheater München: Sonntag, 13. November 2016, 19:30; Montag, 14. November 2016, 20:00

Bild: Andreas Pohlmann 28. Oktober 2016, 17:492016-10-28 17:49:29 © SZ.de/ebri