Freizeit:Schöner Stein

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Freizeit: Das recht weiche Mineral Rhodochrosit wurde wegen seiner leuchtenden Farbe früher auch "Himbeerspat" genannt.

Das recht weiche Mineral Rhodochrosit wurde wegen seiner leuchtenden Farbe früher auch "Himbeerspat" genannt.

(Foto: Anja Wechsel/ Munich Show/Frommel fotodesign)

"The Munich Show" ist die größte Mineralien- und Edelsteinmesse Europas. Neben extrem Hochpreisigem gibt es auch Erschwingliches. Und faszinierende Fossilien aus dem britischen "Dinosaur Isle Museum".

Von Magdalena Zumbusch

Was sich heute die größte Mineralien- und Edelsteinmesse Europas nennen darf, begann vor fast 60 Jahren in einer Münchner Gaststätte: Nur 16 Aussteller gab es damals auf der "Mineralienbörse", ein paar Münchner Sammler und Schmuckhersteller kauften ein. Längst ist aus der kleinen Börse ein Event der Superlative geworden: Auf 50 000 Quadratmetern präsentieren an die 1000 Aussteller aus aller Welt drei Tage lang ihre Schätze - für Händler, Sammler und Kunstschaffende. Aber auch für alle anderen Stein- und Mineralieninteressierten ist die Messe einen Besuch wert.

Viele Aussteller sitzen in Idar-Oberstein - einem Zentrum des Edelsteinhandels

Der Ausstellungsraum teilt sich in zwei Hauptschauplätze: die "Mineralientage" und die "Gemworld Munich". Auf der Fläche der Mineralientage werden Steine und Edel-Metalle als Rohstoffe ausgestellt und verkauft. Da sind etwa die blutroten Rhodochrositen oder die blauen Opale, weißer Bergkristall und viele, viele mehr. Daneben gibt es die ganze Palette an Edelmetallen, Gold - und seine Unterarten Rotgold und Weißgold, Silber, Kupfer, Messing. Der Schwerpunkt liegt auf dem Unverarbeiteten, aber auch Design-Objekte aus Mineralien sind zu finden. Und für naturhistorisch Begeisterte: Fossilien und Meteoritenfunde, auch hier gibt es nicht nur viel zu sehen, die Fundstücke sind auch käuflich - sogar in kleinen erschwinglichen Bruchstücken. In der "Gemworld" zeigen Hersteller ihr Angebot an Schmuck und Edelstein-Objekten. Die Sonderschau "Die Magie der Steine" widmet sich der Bedeutung von Edelsteinen im Lauf der Geschichte: Im alten Ägypten etwa waren "Schutzsteine" sehr verbreitet, und auch die Römer opferten Steine nicht nur ihren Göttern, sondern trugen sie auch gegen verschiedene Krankheiten - hört sich nicht weit entfernt an von heutigen Hollywood-Stars, die bei "What's in my Bag"-Videos gerne Kristalle aus ihren Taschen ziehen und sich mit Jaderollern faltenfrei halten wollen.

Freizeit: Goldkristalle wachsen in Gestein - in dieser Größe sind sie eine absolute Seltenheit und weit wertvoller als ihr reiner "Goldwert".

Goldkristalle wachsen in Gestein - in dieser Größe sind sie eine absolute Seltenheit und weit wertvoller als ihr reiner "Goldwert".

(Foto: Anja Wechel/ Munich Show)

Die Händler der "Munich Show" kommen von überall her, ein guter Teil aber auch aus Deutschland: erwartungsgemäß aus der rheinland-pfälzischen Gemeinde Idar-Oberstein, weltweit ein Zentrum des Edelsteinhandels und -schliffs. Schon seit dem 15. Jahrhundert wurde von dort aus Handel betrieben mit dem in der Gegend abgebauten Achat, ein bunt in vielen zarten Farbringen schimmerndes Mineral. Am Idarbach sammelten sich die Schleifereien - mit dem Wasser betrieb man die Schleifsteine. Alleine 7000 nur auf Diamanten spezialisierte Schleifer arbeiteten dort teilweise, dann noch viele tausende weniger spezialisierte Schleifer, außerdem natürlich Goldschmiede. Unter den vielen Ausstellern aus Idar-Oberstein sind auch heute noch vor allem Händler, aber auch Künstler, die die Steine fein bearbeiten mit Gerät, das an Zahnarzt-Ausrüstung erinnert .

Ein Highlight in diesem Jahr ist die "Fossil World Sonderschau"

Die "Fossil World Sonderschau 2022" zeigt faszinierende Fossilien, die für die Messe aus dem britischen "Dinosaur Isle Museum" nach München gebracht wurden. Vor rund 125 Millionen Jahren war die Insel mit einer Savannenlandschaft, Flüssen und Überschwemmungsgebieten ein perfektes Habitat für wasseraffine Dinosaurier mit schlanken, krokodilartigen Schädeln. Zwei der dort lebenden Dinosaurier sind auf der "Munich Show" zu sehen: Der Ceratosuchops inferodios, auch "gehörnter, krokodilgesichtiger Höllenreiher" genannt. Wie der heutige Reiher war er ein Raubtier, das in Flusslandschaften auf die Jagd ging. Zahmer hört sich sein Gattungsgenosse Riparovenator milnerae an, übersetzt "Milners Flussuferjäger" (eine Hommage an die im August 2021 gestorbene britische Spinosauriden-Expertin Angela Milner). Zu sehen gibt's übrigens nicht nur die Original-Knochen, sondern auch Erklärungen dazu, wie man die Dinosaurier in ihrem kreidezeitlichen Lebensraum rekonstruierte - anhand von Zeichnungen des Illustrators Davide Bonadonna.

Freizeit: Zähne zeigen: ein Fossil macht es vor.

Zähne zeigen: ein Fossil macht es vor.

(Foto: Anja Wechsler/ Munich Show)

Die weite Preisspanne der Angebote macht die Messe auch für die weniger Geschichtsbegeisterten und mehr an den schönen Dingen Interessierten zum lohnenden Erlebnis. Neben viel Erschwinglichem gibt es auch ein Kinderprogramm, das nur eine Stein- und Mineralienmesse bereitstellen kann. Fossilspalten steht da zum Beispiel auf dem Programm: Mit dem Hammer gilt es hier Kalksteinplatten zu zerklopfen, um die darin versteckten Fossilien frei zu legen. Diese darf der Besucher auch gleich mitnehmen. Dann können sich die Kleinen auch beim Edelstein-Sieben und Gold-Waschen betätigen. Nicht mit ganz echtem Gold natürlich, sondern mit Metall und Steinen, die dann sogar mit nach Hause genommen werden dürfen. Oder, ein bodenständigeres, aber umso kreativeres Vergnügen: das Specksteinschnitzen. In der "Jurassic World" ist zudem eine Dinosaurier-Welt aufgebaut und für die etwas größeren Kinder gibt es in Vorträgen des Paläontologen Nizar Ibrahim einiges zu lernen.

"The Munich Show"2022, 29. Sept.-02. Okt., 9-18 Uhr, Am Messeturm Riem, Tickets zwischen 9 und 39 Euro

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