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Thalkirchen:"Man soll sich immer Ziele setzen"

Bei inklusiven Kletterevents könne man Behinderungen simulieren, etwa durch Wegbinden eines Armes oder eine Augenbinde - und so Menschen sensibilisieren für Handicaps ihrer Kollegen. Eisenhofer berät Vereine, die einen Kletterbereich einrichten oder ihren bereits bestehenden inklusiv gestalten wollen. Masterstudenten am Institut für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität liefern derzeit den theoretischen Unterbau mit einer Untersuchung über das Potenzial, das Klettern für die Inklusion besitzt.

Diesen Kontakt hat Eisenhofer hergestellt, denn auch sie hat Soziologie studiert und schon einiges aufgeschrieben zur Theorie der Inklusion und auch zur "barrierefreien" Sprache. Die 37-Jährige weiß, wovon sie spricht, denn auch ihr hat "therapeutisches Klettern" einst bei einer Diagnose geholfen.

Inklusion Kletterhalle Thalkirchen Verein: ich will da rauf

Katrin Eisenhofer möchte mitdem Verein "Ich will da rauf" nunbundesweit für Inklusion werben.

(Foto: Florian Peljak)

Darum ist es ihr auch so wichtig, zu zeigen, wie schön all die Theorie in der Praxis funktioniert - auch dank engagierter, langjähriger Trainer wie Manfred Bauer und ehrenamtlicher Helfer wie Evi Schäfer-Löbl, die sagt, hier gehe ihr immer das Herz auf. Sie betreuen eine Kindergruppe. Das geht schon beim Einkleiden los. "Ist das ein Zweiergurt?" Julian, 9, Lars, 13, Elena, die bald 13 wird, Vanessa 15, Juno, 14, schaffen es irgendwie, die richtigen Dinge aus den richtigen Truhen zu holen. "Hier interessiert es einfach keinen, wer eine Behinderung hat. Und dieses Miteinander bietet allen die Chance, ,normal' zu werden", sagt der Trainer.

"Man soll sich immer Ziele setzen", sagt eines der Mädchen - und wählt sich eine besonders anspruchsvolle Route aus. "Ein gesteckter Achterknoten ist das sicherste", weiß Juno. Lars, der unten so müde wirkte, ist schon längst ganz oben angekommen. "Unterschiedliches Niveau geht hier wunderbar zusammen", sagt der Trainer. Jeder profitiere hier "von den Zehen bis in die Fingerspitzen" für sein Körpergefühl, seine Stärke, sein Selbstbewusstsein.

Im Erwachsenenkurs sprechen Ursel und Joachim, Anna, Franzi, Juli und Sonja über das Vertrauen, das man beim Klettern brauche, in sich selbst und in andere, die unten das Seil sichern - auch dies eine wichtige Lehre fürs Leben. Und zu sehen, dass andere einem vertrauen, baue auf. Das Schöne hier sei das Fehlen jeglichen Leistungsdrucks: "Es gibt kein Du musst."

Eine Mutter erzählt, sie sei eigentlich nicht wegen ihres behinderten Sohnes gekommen, sondern wegen der Tochter, die immer mehr darunter gelitten habe, wie herablassend manche ihren Bruder behandeln. Hier konnte sie, die von den Mitmenschen so enttäuscht war, im wahrsten Sinn "über sich hinauswachsen" und sich wieder öffnen. Inzwischen macht die ganze Familie mit. Katrin Eisenhofer schaut zu, nickt, lächelt. Sie ist sichtlich stolz auf ihren Verein "Ich will da rauf."

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