Generationenkonflikte gibt es überall. In der Familie, am Arbeitsplatz und auch in verschiedenen Kunst- und Musikszenen. „Das Problem ist, dass die Alten die Jungen nicht verstehen und umgekehrt“, sagt Frank-Martin Lauterwein alias DJ FM. Dem 55-Jährigen und seinem langjährigen Freund und Kollegen DJ Freund ist es gelungen, ein Kollektiv zu schaffen, in dem dieses Unverständnis keine Rolle spielt. „Da stehen wir drüber“, sagt er.
Sechs DJs mit einer Altersspanne von Anfang 20 bis Mitte 50 arbeiten zusammen daran, innovative Konzepte zu entwickeln, bei denen Musik und Humor im Vordergrund stehen. Ohne Allüren, ohne Zwänge. Der Club als Freiraum.
Dafür steht auch die neue Veranstaltungsreihe „Sunday in Love“, die am Sonntag zum zweiten Mal im Import Export stattfindet. „Drei-Uhr-Morgens-Feeling um 15 Uhr“, beschreibt Lauterwein das Konzept. „Wir verdunkeln den Raum, damit es ein richtiges Club-Gefühl gibt“, sagt er. Während es viele Techno-Clubs gibt, in denen das ganze Wochenende durchgefeiert wird – und dafür manche Tanzende auf synthetische Unterstützung zurückgreifen – ist die gezielte sonntägliche Tanzveranstaltung von Electroamore keine Marathonveranstaltung. „Beim letzten Mal wurde auch relativ viel Alkoholfreies getrunken“, sagt Lauterwein „wir machen da auch gern drauf aufmerksam. Du brauchst keinen Alkohol bei uns, um großen Spaß zu haben“, sagt er.
Der Spaß steht bei Electroamore im Fokus. Das Kollektiv wirbt mit Flyern in leicht trashiger DIY-Ästhetik. Die ist bei Trautwein eine Lebenseinstellung. In den Neunzigern lernte er DJ Freund kennen, damals waren sie allerdings noch keine DJs, sondern lebten Techno als Medienschaffende aus. In Kiel starteten sie mehrere Formate. „Wir hatten eine Techno-Sendung in der goldenen Zeit der offenen Kanäle, die hieß ‚Korrekt‘“, sagt er: „Auch Raves haben wir veranstaltet. Die haben wir mit Flyer-Magazinen und Plakaten beworben. So wie heute auf Instagram, nur halt analog.“ Irgendwann zog Trautwein nach Spanien, und als er nach vielen Jahren wieder in Deutschland mit DJ Freund um die Häuser zog, hatten sie ein Erweckungserlebnis: „Als wir um die Häuser zogen, sprach der Techno zu uns: Schön, dass ihr wieder da seid!“
Neben den beiden Freunden zählen die DJs Safahs, Tekto und Kim Twidle zu „Electroamore“. Es sei „ein ganz klassisches Kollektiv. Es gibt keinen Boss, DJ-Vorschläge kommen von allen Seiten“, so Lauterwein. Als Gast spielt am Sonntag etwa DJ Trashlice, die extrem geschmeidigen, hochtemperierten Techno auflegt, der gleichzeitig verspielt und cool daherkommt. Auf Videos von ihren Sets sieht man sie wild tanzen, und damit passt sie hervorragend zum „Electroamore“-Team: „Alle DJs von uns sind begnadete Tänzer!“, sagt Lauterwein und fügt hinzu „ein DJ, der nicht tanzt, ist mir suspekt!“
Sunday in Love by Electroamore, So., 21. September, Import Export, ab 15 Uhr, Karten ab sieben Euro

