Technik auf dem Oktoberfest:Diese Erfindungen treiben die Wiesn an

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Der V10 ist für die Wiesn so wichtig wie das Bier. Ohne den Zapfhahn einer Firma aus Krefeld ist die Mass nicht so schnell voll. Technische Erfindungen, auf die das Oktoberfest nicht verzichten kann.

Von Dario Nassal

Dass die Wiesn ein Volksfest der Superlative ist, ist bekannt. Dass hinter ihren Attraktionen unzählige technische Innovationen stecken, die weltweit einzigartig sind, lässt sich nur erahnen. Beim Europäischen Patentamt sind zum Beispiel allein 1813 Patente für Bierzapfhähne, 285 Patente für Hähnchengrills und 180 Patente für Achterbahnen eingetragen. Drei Erfindungen, die fürs Oktoberfest ganz besonders wichtig sind, im Kurzporträt.

Wirbelstrom-Magnet-Bremsen

Höher hört man keinen kreischen: Skyfall, der größte mobile Free-Fall-Tower der Welt, steht seit vergangenem Jahr auf der Wiesn. Er ist 80 Meter hoch und erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 123 Stundenkilometern. Beim freien Fall kommen die Passagiere erst kurz, bevor sie den Boden erreichen, zum Halten. Dieser Nervenkitzel funktioniert durch Magnet-Bremsen, die 1996 von der Münchner Firma Intrasys entwickelt worden sind.

Technik auf dem Oktoberfest: Der "Skyfall" funktioniert so gut dank der Wirbelstrom-Magnet-Bremsen.

Der "Skyfall" funktioniert so gut dank der Wirbelstrom-Magnet-Bremsen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Am Turm ist das sogenannte Bremsschwert befestigt, an der Gondel zwei Magnetstreifen. Beim Hinunterrauschen wird Wirbelstrom erzeugt, der das Fahrgeschäft stoppt. Die Verwendung von Wirbelstrom geht zurück bis ins 19. Jahrhundert. Intrasys hatte die Idee, diese Technik für die Nutzung in Freizeitparks anzupassen. "Der Vorteil ist: Es ruckt nicht beim Bremsen", sagt Bernhard Urban, Diplom-Physiker und Geschäftsführer bei Intrasys. Das sei ungewohnt. In anderen Lebenssituation, wie beispielsweise beim Autofahren, spüre man einen Ruck, wenn man in die Bremsen steige. "Beim Skyfall nimmt der Fahrgast erst in letzter Sekunde wahr, dass die Bremsen greifen", sagt Urban. Und das steigere den Nervenkitzel. Ein weiterer Vorteil ist die Sicherheit: Selbst wenn der Blitz einschlägt oder der Strom ausfällt, greifen die Magnetbremsen und die Gäste kommen sicher unten an. Mittlerweile findet sich die Technologie in den meisten großen Vergnügungsparks weltweit.

Exzenter-Antrieb

Auch die Krinoline wäre vermutlich heute nicht mehr auf der Wiesn, hätte ihr Betreiber Michael Großmann 1938 nicht eine geniale Idee gehabt. Durch seine Erfindung eines gefederten Exzenter-Antriebs schwingen die Gondeln automatisch auf und ab, während die Krinoline sich dreht. Zuvor bewegten vier sogenannte Schaukelburschen die Gondeln mit ihrer Körperkraft. "Das war nicht nur anstrengend, sondern auch teuer", sagt Mathias Niederländer, der Urgroßneffe von Michael Großmann.

Krinoline

Früher gab es Schaukelburschen für die Krinoline, heute hilft ein spezieller Antrieb.

(Foto: Claus Schunk)

Die Helfer mussten rund um die Uhr bezahlt werden. Dieser Kostenfaktor war auf die Dauer nicht zu tragen. Großmann war gelernter Schmied und kannte sich mit Elektromechanik aus. Er bastelte einen komplizierten Antrieb aus Planetengetriebe, Exzenter und Zupffedermechanismen. Damit lief die Krinoline automatisch. Und noch heute kann man den Mechanismus in ihrem Masten bewundern.

Schankhahn V10

6,7 Millionen Mass Bier werden jedes Jahr auf dem Oktoberfest getrunken. Schankkellner füllen die Krüge im Rekordtempo. Das Hochgeschwindigkeit-Zapfen funktioniert dank eines Patents der Firma CMB Schankanlagen: Das Unternehmen aus Krefeld hat den Schankhahn V10 entwickelt - einen abgedichteten Kolbenhahn mit eingebautem Kompensator. Die Abdichtung vermeidet, dass der Hahn verkalkt. Der Kompensator ist dafür verantwortlich, dass sich der Druck im Fass nicht ändert, wenn immer weniger Bier darin ist. Für große Bierfeste wie die Wiesn hat die Firma den patentierten Schankhahn V10 in einen Turbozapfhahn umgebaut.

Zapfhahn Turbohahn V10

Der Schankhahn V10 wurde von einem Unternehmen aus Krefeld erfunden - zur Wiesn wird er in einen Turbozapfhahn eingebaut.

(Foto: Marco Wydmuch)

Selbst bei Fässern mit einem Volumen von mehr als 1000 Litern bleibt das Bier damit immer unter Druck. "Nur so ist die Kohlensäure auch nach dem Einschenken noch vorhanden", sagt Stephan Becker, Geschäftsführer von CMB Schankanlagen. Beim Turbozapfhahn ist der Name Programm: Eine Mass Bier füllt sich in weniger als drei Sekunden. Mittlerweile kommt er bei Großveranstaltungen auf der ganzen Welt zum Einsatz. Und beim Oktoberfest garantiert er, dass jedes neue Bier mit Schaumkrone serviert wird.

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