Tauchkurs an ungewöhnlichem Ort:Was passiert, wenn man unter Wasser den Atemschlauch verliert?

Lesezeit: 4 min

"Fertig? Dann lass dich nach hinten fallen!" ruft Maik Wiedemann einem nach dem anderen zu, er wartet schon im Wasser. Dann kommt die erste Aufgabe: An der Oberfläche, aber mit dem Kopf im Wasser, ruhig atmen. Das klappt bei allen gut. Als nächstes übt die Gruppe, was passiert, wenn man unter Wasser aus Versehen den Atemschlauch verliert: Einfach das Mundstück wieder in den Mund nehmen und einmal feste Ausatmen, so dass das Wasser aus dem Schlauch hinausgedrückt wird. Geht auch. Richtig ernst wird es erst bei der dritten Übung: Abtauchen.

Maik Wiedemann nimmt zuerst Robert Jaskolla aus Bad Aibling mit in die Tiefe. Der 20-Jährige hält sich an der Leiter fest. Er muss nichts weiter machen, als immer dann den Druck auszugleichen, wenn Maik ihm ein Zeichen gibt - und natürlich atmen! Niemals das Atmen vergessen. Der Druckausgleich funktioniert wie im Flugzeug: Nase zuhalten und von innen gegen die Ohren drücken. Maik kümmert sich um alles andere: Langsam lässt er die Luft aus Roberts Weste, indem er einen Schlauch in die Höhe hält und auf eine Taste drückt, damit die Luft entweichen kann und Robert sinkt. Insgesamt vier Mal halten die beiden so an, dann sind sie unten - Robert setzt sich auf den Boden und wartet auf die anderen beiden, die Maik genau wie ihn nach unten bringt.

Wenn man zu viel Luft in die Weste lässt, schießt man wie ein Korken nach oben

Dann geht das Jojo-Spiel los. Einmal unten angekommen, versuchen die Anfänger, ihre Westen mit den Tasten am Schlauch selbst so aufzublasen oder zu entleeren, dass sie frei im Wasser schweben. Das bekommt keiner auf Anhieb hin. Entweder, sie lassen zu viel Luft in die Weste - dann schießen sie wie ein Korken an die Wasseroberfläche. Oder sie lassen zu viel Luft hinaus. Dann kleben sie wie Steine am Beckenboden.

Tarieren heißt dieser Vorgang. "Das ist wie Fahrradfahren", hat Maik vorher erklärt: Man muss einfach ein Gefühl dafür entwickeln. Irgendwann kann man es und vergisst es auch nicht mehr. Aber dieses Stadium erreicht bei diesem ersten Tauchgang keiner. Macht nichts, es geht ja nur darum, überhaupt mal zu erleben, wie es ist, sich unter Wasser zu bewegen.

Zum Schluss nimmt Maik seine kleine Gruppe noch mit auf einen Streifzug durch die Tanks: Acht Stück sind es, die mit kurzen Tunneln miteinander verbunden sind. Viel zu sehen gibt es nicht. Immerhin: ein paar Rochen, Krokodile und ein Delfin - aus Plastik, natürlich. Maik schwimmt von einem zum anderen und kontrolliert immer wieder, wie viel Luft noch in den Flaschen ist. Nach 35 Minuten geht die erste Anzeige auf rot. Das heißt für alle: Auftauchen. Oben wiegen die Flaschen plötzlich wieder 50 Kilo, mindestens. Und trotzdem sind alle an diesem Tag auch ein bisschen leichter geworden: Die diffuse Angst vor dem Atmen unter Wasser, die ist weg.

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