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Tattoo-Messe in München:"Alle wollen den gleichen Schwachsinn"

Teufel, Totenköpfe - und ein Elvis-Presley-Porträt: ein Besuch auf der Münchner Tätowiermesse.

Anna Fischhaber

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Tattoo-Convention München

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Das Mädchen seufzt. "Jetzt warte ich hier schon eine Stunde", erzählt sie. Die Schlange zieht sich inzwischen quer durch die Kultfabrik. Doch hier hat kein Teenie-Idol seinen Auftritt, eine Tätowiermesse sorgt an diesem Wochenende für Gedränge in der Tonhalle.

Fotos und Text: Anna Fischhaber

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Es summt und brummt in allen Ecken. Hier und da ist ein entblößter Bauch zu sehen, dann wieder ein reich verzierter Fuß. Alben werden geblättert, Termine vereinbart - die rund 30 Tätowierer der Tattoo-Convention sind offenbar gut im Geschäft.

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Viele Besucher haben zwar schon etliche Tattoos, doch sie können einfach nicht genug bekommen. Zum Beispiel Sebo: Einzig der Kopf des 22-Jährigen ist bis auf die Tropfen neben seinem Augen noch unbemalt. 200 Stunden und fast 10.000 Euro hat ihn das Ganzkörperkunstwerk gekostet, ans Aufhören denkt er dennoch nicht.

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Wem die Kunst auf der Haut nicht ausreicht, der kann sich auf der Tattoo-Convention auch mit den passenden Accessoires eindecken. Teufel und Totenköpfe für den Balkon sowie riesige Drachenköpfe für den Garten sind besonders beliebt. "Das ist eine Lebenseinstellung. Wir wollen frei sein und das auch zeigen", erklärt Verkäuferin Petra Mayr-Klement.

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Außerdem gibt es Farben und anderes Fachzubehör für Tätowierer zu kaufen. Bereits zum neunten Mal findet in diesem Jahr die Messe in München statt. Davon, dass die Körperkunst mittlerweile out sein soll, hat Tattoo-Convention-Chef Christoph Dodl bislang nichts gemerkt.

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"Wir sehen nur, dass die Kunden immer jünger und gnadenloser werden - und oft Papa und Mama mitbringen müssen, weil sie deren Einverständnis brauchen", sagt Dodl. Aber bemalt hätten die Menschen ihren Körper schließlich schon in prähistorischen Zeiten - auch Ötzi soll ein Tattoo gehabt haben.

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Ende der achtziger Jahre avancierte die Hautkunst zum Markenzeichen der Rocker. Das mittlerweile verrufene "Arschgeweih" war in fast allen Schichten gesellschaftsfähig. Auf der Münchner Tattoo-Convention ist es allerdings kaum mehr gefragt.

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Stattdessen begegnen einem überall Totenköpfe. Ob als T-Shirt, als Kette oder eben als Tattoo, die Symbole rund um den Tod sind gefragt. "Vor 20 Jahren, als wir mit dem Tätowieren angefangen haben, gab es nur Herzen, Rosen, Schädel und fertig", erklärt Christoph Dodl.

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Warum solche Old-School-Tattoos wieder im Trend liegen, versteht der Tattoo-Convention-Chef selbst nicht recht. "Im Internet kann sich doch jeder so tolle Motive herunterladen. Trotzdem wollen alle nur den gleichen Schwachsinn!" Dodl schüttelt den Kopf. "Mein eigener Totenkopf ist zum Glück auf dem Rücken versteckt."

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Automechaniker Christian hat sich für ein solches Old-School-Tattoo entschieden. Künftig sollen drei furchterregende Schädel seinen Unterarm zieren. Warum es unbedingt ein Totenkopf sein muss, weiß er selbst nicht so genau.

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Dennoch erträgt der 26-Jährige mit stoischer Miene den Schmerz. Ab und an tätschelt seine Freundin sein Bein, während die Nadel immer tiefer in seine Haut dringt. Drei Stunden wird es dauern, die Schädel in Szene zu setzen. Dann wird sich Christian kaum mehr von den anderen Besuchern der Tattoo-Convention unterscheiden - ein Totenkopf gehört hier zum guten Ton.

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Auf Individualität setzen nur wenige. Julian Siebert, 22, ist so einer. Der Tätowierer weigert sich, Sterne, Tribals oder Totenköpfe zu stechen. Er sieht sich als Künstler und setzt auf plastische, farbige und vor allem einzigartige Motive. "Gibt es wirklich einen Unterschied zwischen Leinwand und Haut? Für mich ist beides Kunst", erklärt er.

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Für seine Freundin Julia ist es das fünfte Tattoo. "Es tut schrecklich weh", gesteht sie in einer schwachen Sekunde. Doch aufgeben wird sie an diesem Freitag nicht. Nicht nur, weil sie mit Elvis Presley auf ihrem Arm eine tiefe Leidenschaft verbindet, sondern auch, weil Freund Julian mit dem Porträt den Preis "Tattoo of the Day" gewinnen will.

Tattoo-Convention in der Tonhalle, 1. bis 3. Mai. Öffnungszeiten: Freitag, 16 bis 24 Uhr, Samstag, 12 bis 24 Uhr, Sonntag 12 bis 18 Uhr.

(sueddeutsche.de/bön)

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