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Oktoberfest:Gewerkschaft droht mit Breznstreik

Brezn im Wiesn-Zelt.

Wird es aller Voraussicht nach auch in diesem Jahr geben: Brezn im Wiesn-Zelt.

(Foto: dpa)

Eine Wiesn ohne Brezn? Die Gewerkschaft NGG will Bäcker zum Oktoberfest streiken lassen und den Wirten keine Backwaren liefern. Doch die lässt die Drohung kalt.

Von Anant Agarwala

Es steht, angeblich, ein echter Notstand bevor. In Gefahr ist ein bayerisches Heiligtum. "Wenn wir bis Mitte September nicht weiterkommen, werden wir in den Backstuben streiken. Dann mangelt es zur Wiesn an Brezn." Ein Satz wie ein Tiefschlag. Gesagt hat ihn Mustafa Öz, Verhandlungsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), dem Focus.

Öz möchte mehr Geld für die Bäcker und ihre Fachverkäufer in Bayern, er fordert 6,5 Prozent mehr Lohn. Aktuell führt er Tarifverhandlungen mit der bayerischen Bäckerinnung, die bietet ein Plus von 2,2 Prozent für die Verkäufer und ein Prozent für Bäcker. Für Öz keine Grundlage für eine Einigung. Da ist so ein angedrohter Brezn-Engpass, pünktlich zur Wiesn, ein gutes Argument.

"Ich sehe keinen Engpass auf die Wiesn zukommen"

Adressat der Drohung ist Heinz Hoffmann, Innungsvorstand und Öz' Gegner am Verhandlungstisch. Hoffmann würde daher auch gern die nächste Runde einläuten. Allein, das sei unmöglich: "Leider hat sich Herr Öz für zwei Wochen in den Urlaub verabschiedet." Ein Ultimatum bis Mitte September setzen und dann bis Mitte September in den Urlaub fahren: Das kann man clever nennen.

Hoffmann gibt sich aber gelassen: "Es gibt so viele Betriebe, die das Oktoberfest liebend gern beliefern würden. Ich sehe keinen Engpass auf die Wiesn zukommen." Zumal das Wiesn-Geschäft für Brezn-Grossisten wie die Müller-Bäckerei auch zu lukrativ erscheint, um darauf zu verzichten.

Die NGG kündigt unterdessen freilich an, alle nötigen Vorbereitungen für den Streik zu treffen. In den kommenden zwei Wochen wolle man mit den Bäckern diskutieren, zu welchen Aktionen sie bereit sind, sagt NGG-Landesbezirkssekretär Walter Linner. Er halte den Brezn-Boykott für "sehr realistisch". Wie es nun weitergeht, ist unklar. Hoffmann wartet ab, Öz hat die Mailbox eingeschaltet.

Wird die Wiesn also breznfreie Zone? Das erscheint höchst unwahrscheinlich. Toni Roiderer, Sprecher der Wiesnwirte und Chef des Hacker-Festzeltes: "So viel Herz hat der Bayer, dass er während der Wiesn nicht streikt. Das sag' ich, als Bayer." Falls es doch zum Unvorstellbaren kommt, empfiehlt er eine Bierdiät. "Wenn es nichts zu beißen gibt, trinken wir halt mehr."

© SZ vom 02.09.2014/tba
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