Die zwölf Lichtstäbe, hinter denen Zufit Simon, Dorota Michalak, Erika Leo, Cary Shiu und Sunayana Shetty vorbeiflanieren wie Rilkes weltverlustiger Panther, sind alle gleich. Und auch das klassische Cheerleading erlaubt wenig Varianz. Kurze Röcke an bodies in shape, genormte Moves und die Haare schön: das reicht, wenn junge Frauen beim American Football die Anpeitscherinnen oder beim Basketball den Pausenaugenschmaus geben.
Seit die Jennings-Schwestern in den Neunzigerjahren die Konventionen dieses unzeitgemäßen Sports für feministische Zwecke gekapert haben, gilt "radical cheerleading" als Äußerungsform des linken Aktivismus - eine sehr ökonomische zudem, denn Affirmation plus Minimalabweichung generiert maximale Effekte. Da reichen schon weniger normierte Körper und neue Slogans.
Mit diesen und ihren bewähren choreografischen Mitteln untersucht Zufit Simon in ihrem neuen Stück "Radical Cheerleading" den Tanz als Protestform, zerlegt Körperbilder, Alltagsbewegungen und Showelemente in Bausteine und montiert sie neu. Es beginnt mit Klatschen, harmlosen "Cheers" wie "Let's go" - und entwickelt sich unter Hinzunahme von pumpenden Beats und immer komplexerem Arm- und Fausteinsatz zu einem rhythmisch pulsierenden Ganzen, in das sich zunehmend kämpferische Slogans mischen: "stand up for your rights" oder "my body, my choice".
Simons Prinzipien-Fragmentation, Repetition und Rekontextualisierung gelten auch für den Einsatz der Pompons, mit denen hier gewedelt wird als sollten sie partout in Fetzen gehen. Und selbst das stereotype Cheerleader-Lächeln wirkt wie eine Waffe, wenn die fünf Performer es sich anlegen wie eine höhnische Grinsekatzen-Grimasse. Der Abend macht optisch was her und entwickelt schnell einen Sog, der aber nicht bis an sein Ende reicht. Zu viel wird noch probiert: Mit nackten Ober- oder Unterkörpern, Tiermasken, plakativen Gruppenbildern und einigen für Simons trockenen Stil ungewöhnlich expressiven Soli, die die Protestformen der Gegenwart anzitieren, aber formal und energetisch eher verläppern.


