Was läuft im Tanz?:Wenn Männer tanzen

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Wie formen unsere Vorstellungen von Männlichkeit die Welt, in der wir leben? Quindell Orton stellt diese Frage in ihrem neuen Solostück. (Foto: Quindell Orton)

Im Bergson, im Schwere Reiter, im HP8 und im Hoch X sieht man im April und Mai Faune, Zentauren und überhaupt viele Tänzer-Muskeln. Da stellen sich einige Fragen.

Von Jutta Czeguhn

Ist das jetzt so etwas wie ein Battle zwischen zwei Choreografinnen? Zwischen zwei Münchner Kreativorten, dem etablierten Schwere Reiter und dem neuen Bergson Kulturkraftwerk im Münchner Westen? Wie wichtig ist Konkurrenzdenken in der Kultur, im Tanz? Darüber könnte man nachdenken und sich mit diesen Fragen im Kopf durch die Stadt begeben zu "2xGETANZT2024", am 22. und 23. April im Schwere Reiter und am 24. April im Bergson.

Das Arcis Collective präsentiert dort ein experimentelles Tanz-Konzertformat mit speziellen Spielregeln: Anna Konjetzky und Roberta Pisu haben jeweils nur fünf Tage Zeit, um mit den Tänzern David Cahier und Guido Badalamenti eine 20-minütige Choreografie zu entwickeln. Unabhängig voneinander, in ihrem ganz individuellen Stil. Der Sound, eine Neukomposition, kommt von den Musikerinnen und Musikern des Arcis Saxophon Quartetts, die ebenfalls Teil der Szenen sein werden. Sollten die Choreografinnen Requisiten und Kostüme verwenden wollen, müssen sie diese selbst auftreiben.

Das Format "2xGETANZT" mit dem Arcis Collective verbindet Kammermusik mit zeitgenössischem Tanz. (Foto: arcis visuals)

Beide Stücke werden hintereinander weg performt, so kann das Publikum unmittelbar Vergleiche anstellen. Und sowohl im Bergson als auch im Schwere Reiter gibt es im Anschluss moderierte Gespräche mit den beiden über ihre der jeweiligen künstlerischen Entscheidungen. Das Format, das Kammermusik mit zeitgenössischem Tanz verbindet, gibt es seit 2022, Roberta Pisu ist die Konstante, sie sucht sich immer einen Co-Choreografen.

Im vergangenen Jahr war ihr Partner Matteo Carvone. Der Choreograf und ehemalige Gärtnerplatz-Tänzer kehrt nun auf die Münchner Bühne mit seiner Tanzperformance "[Faun]" zurück, die er 2019 erstmals im Gasteig und ein Jahr später auch beim Tanzfestival der Biennale von Venedig präsentierte. Faun und Tanz - da springt einem sofort der legendäre Vaslav Nijinsky vor's innere Auge, wie er 1912 zu Claude Debussys "L'après-midi d'un faune" durch seine animalische Präsenz das damalige Publikum in Rage versetzte. Matteo Carvones Faun trägt Fellmütze und bewegt sich auf Kunstrasen, es gibt ihn am 15., 16. und 17. Mai im Saal X des HP8. Zuvor, 25., 28., 30. April und 4. Mai, präsentiert er auf dem Platz "Am Kulturkraftwerk" beim HP8 Mini-Pop-up-Performances aus seinem neuen Stück "Centauri". Kostet nichts, kann man einfach zuschauen. Bei miesem Wetter geht's in die Halle E, die genauen Termine gibt es unter www.gasteig.de.

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Im Schwere Reiter, im Bergson, im HP8, bei all diesen Tanzevents geht es auch um das Betrachten von hyperdurchtrainierten Männerkörpern. Wie aber "macht" ein Körper Männlichkeit, wie formen unsere Vorstellungen von Männlichkeit die Welt, in der wir leben? Diese Fragen stellt eine Frau: Die australische Tänzerin und Choreografin Quindell Orton bringt am 2. Mai als Uraufführung ihr Solo-Stück "Making of a Man" auf die Bühne im Hoch X (Entenbachstraße 37). Die Arbeit, die Bewegung, gesprochenes Wort und Klang verbindet, ist Teil des Festivals "Go drag! Munich". Für Quindell Orton, die auch viel mit ihrer Partnerin Anna Konjetzky zusammenarbeitet, ist der Körper "eine poröse, empfindungsfähige Einheit", die von der Umwelt und der Gesellschaft beeinflusst wird und diese wiederum beeinflusst. Darüber lohnt es sich nachzudenken.

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