Festival:Traditionell innovativ

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Festival: Stimmungsvoll: Die Gregoriana Pragensis in der Regensburger Minoritenkirche während ihres Konzerts bei den Tagen der Alten Musik.

Stimmungsvoll: Die Gregoriana Pragensis in der Regensburger Minoritenkirche während ihres Konzerts bei den Tagen der Alten Musik.

(Foto: Uwe Moosburger/altrofoto.de)

Die Tage Alter Musik in Regensburg, zweimal der Pandemie wegen abgesagt, melden sich machtvoll mit hochkarätigen Ensembles zurück und bleiben ihrem Grundsatz treu, Neues im Alten zu entdecken.

Von Andreas Meixner, Regensburg

Der Herbst ist in Regensburg eigentlich nicht die Zeit für Alte Musik. Schon allein deshalb, weil in die meisten Spielstätten so langsam die Winterkälte kriecht und es für das Publikum und die Musiker im gleichen Maße ungemütlich wird. Nicht ohne Grund sind die Tage Alter Musik seit über 35 Jahren immer am Pfingsten, im Frühsommer.

Dieses Mal ist alles anders. Schon im vorigen Jahr fiel eines der wichtigsten Alte-Musik-Festival Europas der Pandemie zum Opfer, und auch dieses Jahr mussten die Macher Ludwig Hartman, Stephan Schmid und Paul Holzgartner zunächst die Reißleine ziehen. Nicht aber, ohne einen Ersatztermin am zweiten Oktoberwochenende auszurufen. Der Mut wurde mehrfach belohnt: Die Hygieneregeln haben sich im Laufe des Sommers gelockert, es ist fast ein normaler Konzertbetrieb möglich. Und das Wetter beschert an diesem Wochenende eine traumhafte Kulisse, abseits von so manch pfingstlicher Regenschlacht in den letzten Jahrzehnten. Die Menschen kommen. Nicht in den üblichen Massen, aber sie kommen.

Das mag auch daran liegen, dass das Programm der 36. Tage Alter Musik in der Qualität seines Angebots keine Kompromisse macht. Es fehlt in Ermangelung des Pfingstmontags der vierte Festivaltag, auf die Instrumentenausstellung muss man ebenso verzichten wie auf den Kurstag an der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik. Dafür gibt es 13 Konzerte an fünf historischen Stätten, teils bis tief in die Nacht hinein. Die Regensburger Domspatzen unter der Leitung ihres Domkapellmeisters Christian Heiß eröffnen mit der Hofkapelle München das Festival mit Bach und Mozart, beeindruckend ist die hohe Güte und Präzision des Vortrags. Spät am Abend dann die grandiose Sopranistin Dorothee Mields und das Hathor Consort aus Belgien mit entrückter Musik aus Heinrich Alberts Kürbishütte in Königsberg.

Am Samstagabend brennt die britische Formation Solomon's Knot mit weltlichen Gratulations-Kantaten von Johann Sebastian Bach ein Feuerwerk barocker Exaltiertheit ab. Solomon's Knot machen aus den Kantaten temporeiche Einakter, lassen die Trompeten schmettern und die Pauken trommeln, schaffen aber auch intimste Momente voller Anmut. Im Detail ist das nicht immer perfekt, aber so unverschämt unakademisch und leidenschaftlich, dass es die pure Freude ist.

Die Tage Alter Musik in Regensburg bleiben mit Konzerten des kanadischen Ensembles Constantinople und der Gruppe Il Festino aus Frankreich auch dem Grundsatz treu, weit über den Tellerrand des Üblichen und gern Gehörten zu blicken und Neues im Alten zu entdecken. Deshalb ist das Festival auch mittlerweile Sprungbrett für viele internationale Karrieren. Hinnehmen muss man den Ausfall zweier beliebter Konzertorte: Das Ende der Restaurierung der großen Dominikanerkirche ist nicht absehbar und auf Jahre hin wird die St.-Oswald-Kirche unter Gerüsten verschwinden.

Das Programm für Pfingsten 2022 steht. Wenn alles wieder seine normalen Wege geht, werden die Konzerte schnell ausverkauft sein und der Sommerwind durch die Regensburger Gassen wehen. Im Herbst ist das ganz anders.

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