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Tag des offenen Denkmals:Spaziergang in die Vergangenheit

Theatinerkirche München, 2013

In der Theatinerkirche lässt sich bewundern, wie stark die Barockkunst nach italienischem Vorbild Einzug in München gehalten hat.

(Foto: Veronica Laber)

Einblicke in die Geschichte und Architektur der Stadt sollen auch die europäische Bedeutung Münchens ins Bewusstsein rufen.

Von Alfred Dürr

Wer Kirchen, Werkstätten, Stadtpaläste, Wohnhäuser und andere Bauwerke mit historischem Wert erkunden will, dem bietet sich an diesem Sonntag eine gute Gelegenheit. Der "Tag des offenen Denkmals" ermöglicht mit zahlreichen Programmpunkten Einblicke in die Geschichte und Architektur der Stadt. Dabei widmen sich das städtische Planungsreferat und das Landesamt für Denkmalpflege auch einem speziellen Aspekt: Sie empfehlen Orte und Gebäude, die von europäischen Einflüssen geprägt sind oder die weit über München hinaus Strahlkraft entfalten.

So diente die Loggia dei Lanzi in Florenz als Vorbild für die Feldherrnhalle am Odeonsplatz. Das Rathaus am Marienplatz gleicht in vielen Teilen dem mittelalterlichen Rathaus in Brüssel. Sehenswert in der Altstadt ist der Alte Hof. Dort hatte Kaiser Ludwig der Bayer seinen Regierungssitz. Ludwig hat sich nicht mit dem heimatlichen wittelsbachischen Herzogtum Bayern begnügt. Seine Hausmachtpolitik war eine dezidiert europäische, heißt es in der Broschüre, die zum Tag des offenen Denkmals erschienen ist.

Weiter geht es durch die Fußgängerzone, wo das ehemalige Jesuitenkolleg ("Alte Akademie") und die Michaelskirche die auffälligsten Bauwerke der Gegenreformation sind. Die Stadt hatte sich zu einem Zentrum dieser Bewegung entwickelt. Bei Teilen der Residenz, bei der Theatinerkirche oder auch bei Schloss Nymphenburg erkennt man, wie stark im 17. und 18. Jahrhundert die Barockkunst nach italienischem Vorbild Einzug in München gehalten hat. Später sagte König Ludwig I. bei seinem Regierungsantritt 1825, er werde nicht eher ruhen, bis München aussieht wie Athen. Der Königsbau der Residenz und der Königsplatz sind Beispiele, die man zu diesem Thema besichtigen kann.

Die Entwicklung zur Großstadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte starke Veränderungen. Ein Spaziergang durch Alt-Bogenhausen zeigt, wie sich das auf die Planung von Straßen und Freiflächen ausgewirkt hat. Schwabing wurde zu einem Anziehungspunkt für Künstler aller Art - heute sind dort zahlreiche Zeugnisse der Jugendstil-Architektur zu finden. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Stadt zu einem Sammelpunkt reaktionärer Kräfte. Die NS-Bauten am Königsplatz oder das ehemalige "Haus der Deutschen Kunst" zeugen von der "Hauptstadt der Bewegung". Mit den Zeltdach-Bauten im Olympiapark wollte Deutschland in den Siebzigerjahren zeigen, dass es sich endgültig von der nationalsozialistischen Vergangenheit abgewendet hat.

Informationen bietet die Broschüre "München - eine europäische Stadt", die beim Plan-Treff an der Blumenstraße erhältlich ist (Donnerstag bis 17 Uhr, Freitag bis 14 Uhr). Das Gesamtprogramm ist im Internet unter www.tag-des-offenen-denkmals.de zu finden.

© SZ vom 06.09.2018
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