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Tag der Begegnung:Riesiges Interesse am jüdischen Zentrum

Mehr als 15.000 Besucher sind beim "Tag der Begegnung" zum jüdischen Zentrum gekommen. Die Polizei musste den Sankt-Jakobs-Platz wegen Überfüllung sperren.

Schon wenige Minuten nach dem offiziellen Beginn um 11.30Uhr reihten sich die Menschen in weiten Bogen über den Platz in der Innenstadt. Am frühen Nachmittag war die Schlange für die Synagoge mehrere hundert Meter lang und reichte einmal um das jüdische Gotteshaus herum.

Jüdische Zentrum; ddp

Die Hauptsynagoge im neuen Jüdischen Zentrum in München

(Foto: Foto: ddp)

Die Polizei riegelte gegen 15 Uhr den Platz ab, als etwa 7000 Besucher auf Einlass warteten. Man wollte verhindern, so ein Polizeisprecher, dass sich noch mehr anstellen und dann nach Stunden enttäuscht weggehen müssten. Knobloch kündigte aufgrund des enormen Interesses an, noch in diesem Jahr einen weiteren "Tag der Begegnung" zu veranstalten.

"Natürlich sind die Leute enttäuscht", sagte Yehoshua Chmiel, Vizepräsident der Gemeinde. Im Zentrum könnten sich aber nur 1200 Leute aufhalten, in der Synagoge 550, zu dieser Uhrzeit seien bereits 12.000 da gewesen. "Wir sind nicht auf so viele Menschen eingestellt", sagte Chmiel.

Die Vertreter der jüdischen Gemeinde zeigten sich sehr erfreut über das Interesse und den Andrang: "Dieser Tag toppt die offizielle Eröffnung am 9. November", sagte Chmiel, "er ist wichtiger für uns." Am Donnerstag sei die Welt hier zu Gast gewesen, "heute sind es die Menschen, mit denen wir zusammenleben".

"Es ist ein Traum von mir, der in Erfüllung gegangen ist", sagte Charlotte Knobloch, die mit großem Applaus im überfüllten Saal des Gemeindezentrums begrüßt wurde. Zum prominenten Standort fügte sie hinzu: "Das Herz der Stadt ist es, und das habe ich mir auch gewünscht." Gefragt, ob es Mut gebraucht habe, an dieser Stelle zu bauen, erklärte Knobloch: "Mut brauche ich hier nicht. Ich brauche nur die Möglichkeit, die Hand auszustrecken, damit die Hand auch genommen wird. Und diese Möglichkeit habe ich jetzt."

Oberbürgermeister Christian Ude zeigte sich, wie viele andere Besucher, begeistert von der Architektur, wenn er auch gestand, dass er während des Baus "erschrocken" gewesen sei ob der scheinbaren Massivität. Dieser Eindruck habe sich aber aufgelöst: "Es ist einer der bedeutendsten und schönsten Sakralbauten, die in Europa in jüngster Zeit entstanden sind." Die bisherige Hinterhofsituation in der Reichenbachstraße sei "beschämend" gewesen. Ellen Presser vom Kulturzentrum der Gemeinde sagte, in München sei ein Kleinod geschaffen, zu dem man "pilgert wie zum Eiffelturm in Paris oder zum Reichstag in Berlin".

Viele Menschen ließen sich jedoch von Wartezeiten von bis zu eineinhalb Stunden abschrecken - in der Hoffnung, bei anderer Gelegenheit die Besichtigung nachholen zu können. Führungen durch die Synagoge und den Gedenkgang soll es laut Chmiel künftig täglich geben. Bei Kulturveranstaltungen und Volkshochschulkursen wird auch das Zentrum künftig zugänglich sein.

Für die Sicherheit der Restaurant-Gäste und der 400 Schüler sorgt Wachpersonal der Kultusgemeinde, das sich - wie bereits seit 15 Jahren - aus den Eliteeinheiten der israelischen Armee rekrutiert. Fünf Millionen Euro wurden laut Chmiel in die Sicherheitstechnik investiert. Eine Software könne bei einem Passanten bereits auf einige Entfernung feststellen, ob er gefährlich sei. Mauern und Fenster seien weitgehend anschlagsresistent.

Zu den Tausenden Besuchern gehörte auch Erika Fürst, 67, Münchnerin und evangelisch. Sie sei nicht aus Neugier gekommen, sagte sie, sondern aus echtem Interesse. Und: "Wir wollen ein Zeichen setzen, willkommen sagen zur jüdischen Gemeinde. Wir sind total begeistert." Besuch bekam die Gemeinde auch von einer Gruppe junger Münchner Muslime vom Interkulturellen Dialogzentrum. "Wir fühlen uns hier gut aufgehoben", sagte Ilknur Uzun-Ugur.