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Tätowiererin in München:Kunstfigur

Ein menschliches Herz mit Flügeln war Cats erstes Tattoo. Sie hat es sich auf die Brust tätowieren lassen (siehe Bild).

(Foto: Cat)

Von den Zehen bis zur Stirn - fast jede Stelle auf Cats Körper ist tätowiert. Am liebsten sticht sich die 22-Jährige die Motive selbst unter die Haut. Ein Besuch bei einer der jüngsten Tätowierer Münchens.

Ein menschliches Herz mit Flügeln - auf ihrer Brust. Das war Cats erstes Tattoo. Zwei Monate nach ihrem 18. Geburtstag ließ sie sich das fast tellergroße Motiv stechen. "Vor meiner Mutter versteckte ich es, weil sie davon gar nichts hielt", sagt Cat. "Bis es im Sommer zu heiß war." Da riss Cat die Bluse auf und zeigte ihrer brasilianischen Mutter das Motiv.

Das war vor vier Jahren. An ihrer Leidenschaft für Tattoos hat sich trotz mütterlichen Ärgernisses nichts geändert. Im Gegenteil: Ihr ganzer Körper ist inzwischen voll mit permanenten Hautbemalungen, von den Zehen bis zur Stirn. Über den Hals zieht sich ein Frauengesicht, die Handfläche schmückt eine Rose, ein Kussmund auf der Schulter; sogar im Gesicht, neben ihrem rechten Auge befinden sich die Buchstaben "c/s" - Kurzform für Con Safos, was "Mit Respekt" heißt. Jetzt, mit 22 Jahren, ist schon fast kein Platz mehr auf Cats Körper für ein neues Tattoo.

Freitagabend um 23 Uhr, normale Arbeitszeit für eine Tätowiererin. Meistens kommen die Kunden erst nachmittags, oft dauert ein Motiv bis zu acht Stunden. Cat, die mit vollem Namen Catharina Emilia Carvalho Réis Gruber heißt, steht vor dem Identity-Tattoo-Laden in der Clemensstraße; sie raucht, hat einen Drink in der Hand und unterhält sich mit dem Kunden Dave, dem sie vor zwei Tagen ihr bisher aufwendigstes Tattoo gestochen hat - bis ein Uhr nachts saß sie daran. Dave krempelt stolz seinen Ärmel hoch: Das Motiv ist noch durch eine Folie bedeckt, unter der sich die überschüssige, herausgelaufene Farbe wie in einer Tüte sammelt.

Erst die Piercing-Phase, jetzt die Tattoos

Cat ist in Brasilien aufgewachsen und kam mit zehn nach Deutschland. In ihrer Jugend interessiert sie sich mehr und mehr für Körperkunst. Die Phase der Piercings hatte sie bereits hinter sich gebracht. Das erste stach sie sich mit 15 selbst in die Nasenwand. "Zwischenzeitlich hatte ich zehn Piercings im Gesicht", sagt Cat und zeigt auf die Stellen rund um den Mund, wo man noch kleine Narben sieht. Die meisten hat sie wieder herausgenommen - weil man sie eben entfernen kann.

Anders mit den Tattoos, die bleiben. Jemals eines bereut? "Klar", sagt Cat. Einige hat sie bereits übermalt und aus alten Motiven neue gemacht. Bei anderen Tattoos, die sie sich selbst gestochen hat, etwa an den Fingern, ist die Farbe verlaufen. Da kann man nichts mehr machen. Einmal hat sie versucht, Tattoos mit einer speziellen Elektrotechnik zu entfernen. "Nie wieder", sagt Cat. "Es hat wehgetan und ich habe richtige Narben bekommen."

Arschgeweih-Protokolle

"Von hinten bin ich Hirsch"

Cats Stil ist insgesamt exzentrisch, wie Hunderte Fotos im Internet dokumentieren. Für ihr Aussehen und Styling investiert sie morgens eine halbe Stunde. An diesem Tag trägt sie riesengroße grüne Ohrringe, eine Blumen-Hose, zwei Krokodile, die sich beißen, sind als Kette um ihren Hals gewickelt, lange bunte Fingernägel. Auf ihren Fotos sind auch türkisblaue Kontaktlinsen, blau-pinke Augenbrauen, ständig neue Haarfarben wichtiger Teil der Inszenierung. Das einzig Normale: der schwarze Pulli.