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Szene München:Welche Rolle die Hausnummer im Münchner Nachtleben spielt

Eröffnung des renovierten P1 in München, 2010

Das P1 ist die Urmutter der simpel benannten Clubs in München.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Manche Barbetreiber geben sich größte Mühe bei der Suche nach einem einfallsreichen Barnamen. Derzeit greifen allerdings die eher uninspirierten Versionen um sich.

Von Laura Kaufmann

Eine gute Bar braucht einen guten Namen. Bestenfalls ist er einfach zu merken, geht nach einer Flasche Wein noch leicht von den Lippen - "Lasst uns weiterziehen ins ...", und weckt passende Assoziationen. Bei "Goldene Bar" etwa sieht man schon die schimmernden Wände vor sich, in denen edle Cocktails serviert werden. Im Idealfall wird die Bar personalisiert, so dass es nicht mehr heißt "gehen wir ins", sondern "gehen wir zu" - zum Charles (Schumann), zum Wolf (in der Pestalozzistraße).

Eine Bar in der Corneliusstraße hat sich das zum Konzept gemacht, sie ist ohne Namen geblieben: Chef Robinson wollte, dass die Gäste die Bar mit den jeweiligen Barkeepern assoziieren. Das klappt bisweilen auch, manche sagen: "Gehen wir zum Robinson", andere aber sagen: "Gehen wir in die 14", nach der Hausnummer der Bar.

Die Namensgebung Straße plus Hausnummer ist weder neu (man denke an das P1) noch sonderlich kreativ, gewinnt aber in den letzten Jahren wieder Fans unter den Barbesitzern. Es gibt besagte Cornelius 14, es gibt die Frauen 26. Und es gibt das kleine Kneipenimperium der Berisha-Brüder, deren Läden "Barer 47" und "Barer 61" heißen, dazu das "Gegenüber" auf der anderen Straßenseite. Außerdem betreiben sie das Königin 43, das, was nicht schwer zu erraten ist, in der Königinstraße liegt, Nummer 43.

Positiv an diesen Namen ist, dass der Durstige für den Taxifahrer oder Uber-Chauffeur immer die Adresse parat hat. Bei einer Häufung wie in der Barer Straße aber kann es für den Zufallspassanten verwirrend werden, seit Neuestem erst recht. Auf der Nummer 65 hat eine Bar mit Namen "Barer 65" eröffnet. Es läge nahe zu vermuten, die Bar neben der "47" und "61" gehöre ebenfalls den Berishas.

Dem ist aber nicht so. Will sich da jemand im nachbarlichen Glanz sonnen? Ob der Plagiat-Beigeschmack für besonders schlimmen Kater sorgt? So ist es zumindest ein neuer Tiefpunkt in der Bar-Namensgebung. Verirrten ist zu wünschen, in der Cocktailkarte möge mehr Kreativität stecken als im Namen.

© SZ vom 21.04.2016/vewo

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