Szene Kolumne Die Rückkehr der Blasmusik

Guerilla-Auftritte, kreischende Fans und ein rappender Bandleader: Seit einiger Zeit machen ein paar Blasmusikkapellen Furore, die ziemlich cool sind und eine neue Art von Musik machen.

Von Beate Wild

Was würde wohl Opa dazu sagen, dass man demnächst auf das Konzert einer Blaskapelle geht? Es würde ihn sicher freuen, denn der Opa war schon immer ein großer Blasmusikfan. Vielleicht wäre er ein wenig irritiert, dass der Sänger der Kapelle durch ein Megafon einen provozierenden Sprechgesang zum Besten gibt. Das ist HipHop, Opa, würde man ihm dann erklären. Verstehen würde er das vielleicht nicht ganz, aber gefallen würde es ihm sicherlich.

Moop Mama, die zehnköpfige Blasmusikband, im Einsatz.

(Foto: Stephan Rumpf)

Wenn Münchens derzeit hippste Blechbläser-Band Moop Mama am 22. Oktober ein Konzert in der Freiheizhalle gibt, wird die Bude voll sein. Denn Blasmusik ist wieder total angesagt. Urban Brass nennt man den Mix aus Jazz, Funk und Rap, der hauptsächlich mit Blechblasinstrumenten gemacht wird.

Die erste Gruppe dieser Art war La Brass Banda, die Bläser mit Bass und Schlagzeug kombiniert. Die zehnköpfige Combo Moop Mama setzt dagegen rein auf Blasinstrumente, die Songs haben Titel wie "Bullenwägen", "Paranoia" und "Shopping". Außerdem gibt es im modernen Blechbläsergeschäft noch G.Rag und die Landlergschwister und die Band Kein Vorspiel. Selbst die Rapper von Blumentopf haben einige Songs mit der Musikkapelle Münsing aufgenommen. Es scheint, dass an Blasmusik derzeit kein Weg vorbeiführt.

Das Publikum hat wieder Interesse an "handgemachtem" Sound. Und schließlich kann man prima dazu abtanzen. Das zeigt sich auch bei den Guerilla-Auftritten von Moop Mama. Die Band taucht hin und wieder zu Spontan-Gigs etwa am Flaucher, im Englischen Garten oder in der Maximilianstraße auf.

Die Passanten reagieren stets begeistert und fangen an ihre Hüften zu schwingen. Oft hat der Spaß jedoch ein jähes Ende, denn Konzerte ohne Genehmigung rufen in München schon mal die Polizei auf den Plan. Doch genau das kommt an beim Publikum. Blasmusiker sind eben die wahren Rock'n'Roller.