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Szene-Kolumne:Ausgehen bei Minusgraden lohnt sich

Klare, kalte Nächte: die Isar an der Reichenbachbrücke.

(Foto: Stephan Rumpf)

Wer wegen der Kälte lieber abends auf der Couch bleibt, begeht einen schweren Fehler: Es wartet eine unbezahlbare Nacht in der Münchner Innenstadt.

Wer in diesen Tagen ausgeht, ist auf einen einsamen Abend gefasst: Die, die sonst ausgehen, fläzen auf dem Sofa, drehen die Heizung auf und ziehen die Wolldecke bis zum Kinn, den Ingwer-Minze-Tee zur rechten Seite, die Fernbedienung zur linken. All die Halbseidenen und Hallodris, all die Draufgänger und Durchgeknallten, all die Glücksuchenden und Gestrandeten, all die Traumtänzer und Tresenphilosophen, die sonst Bars und Clubs bevölkern, die bleiben zu Hause, weil es so entsetzlich kalt ist.

Aber sie verpassen eine Menge. Zum Beispiel im Burger-Laden, kurz vor Geschäftsschluss. Ein Bekannter des Burgerladen-Besitzers ist da, und die beiden Männer sprechen über das Business. Nicht die Burger jetzt, sondern Bitcoins. Der Bekannte kennt sich offensichtlich aus. Er redet von niedrigen Steuern in Estland, von günstigen Server-Farmen in Island. Und nachdem man eine Viertelstunde zugehört hat, fragt man sich, die Reste des Cheeseburgers in den Mund stopfend, warum man nicht sofort seinen Job kündigt und einfach reich wird.

Nach drei Minuten an der frischen Luft verwirft man den Plan. Reicht ja, erst einmal diesen Abend zu finanzieren, also schnell zum Geldautomaten. Vor einem steht eine junge Frau, die Mühe hat, sich auf den Beinen zu halten. Sie ist Britin, das verrät ihr Akzent und die für die Außentemperatur viel zu dünne Kleidung. Neben ihr ein Mann, der sie am Arm festhält und beim Eintippen der Geheimzahl zuguckt. Man denkt an angsteinflößende Szenen aus "Aktenzeichen XY" und ist versucht, die Polizei zu rufen. Aber es stellt sich heraus, dass der Mann Taxifahrer ist und die Britin kein Geld hat, die Fahrt zu bezahlen. Die Umstehenden legen zusammen: 15 Euro Brexit-Beihilfe.

Eine Bar, eine Boazn und eine auf Boazn gemachte Bar später geht es auf die andere Seite der Isar, zu einer WG-Party. Der Weg über die Reichenbachbrücke fühlt sich an wie eine Schlittenhundetour in Lappland. Auf der Party gibt es Bier, Cuba Libre und einen anregenden Vortrag über Partys, die irgendwann in den Neunzigerjahren irgendwo im Münchner Umland unter Autobahnbrücken und unter Duldung der Polizei gefeiert wurden. Auf der Rückfahrt hat der Taxifahrer die Musik aufgedreht. "Ich bin bereit, gib mir Korn und Sprite", von der Hamburger Band Tomte. Aber Korn ist hier einfach zu norddeutsch, außerdem ist die Nacht zu weit fortgeschritten. Also Zeit für ein Fazit: Burger, Bier, Brexit-Beihilfe und Gastgeschenk für die WG-Party: 45 Euro. Eine inspirierende Nacht im Münchner Winter: unbezahlbar.

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