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Szenario:Warm anziehen

Bayerischer Sportpreis 2019

Auszeichnung nach Karriereende: Skifahrer Felix Neureuther erhält den Bayerischen Sportpreis.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Felix Neureuther macht die Verleihung des Bayerischen Sportpreises politisch

Es war eine Frage der Zeit, bis Felix Neureuther auch die Politik aufmischen würde. Die letzten 20, 30 Jahre kümmerte er sich um Dinge wie Hangabtriebskraft und Kurveninnenlage, doch seit dem Karriereende ist nun Zeit für die wirklich wichtigen Dinge: Frau und Kind sowie für das Schulsystem. "Da muss sich einiges ändern, damit wir gesund in die Zukunft gehen können", sagt der 35-Jährige bei der Verleihung des Bayerischen Sportpreises, und da gerade Innenminister Joachim Herrmann neben ihm steht, fügt Neureuther an: "Die ein oder andere Sportstunde wär' schon noch drin. Meine Tochter wird im Oktober zwei - nicht dass kein Sport mehr übrig ist, wenn sie in die Schule kommt."

Gaudi-Bursch Neureuther. Dabei ist es ihm bitter ernst. Warum nicht eine Schulterklopf-Veranstaltung wie den Sportpreis für sein Anliegen nutzen? Herrmann, der Neureuther den doch nicht ganz so "Persönlichen Preis des Ministerpräsidenten" in Vertretung des verhinderten Markus Söder überreicht, steckt nun in der öffentlichen Zwickmühle. "Völlig richtig", was Neureuther über die Bewegungsarmut der Jugend sage. Digitalisierung sei zwar wichtig, "aber wir brauchen auch Bewegung", so Herrmann. Man habe das erkannt, fördere auch in den Vereinen...

"In die Schulen müssen wir!", grätscht Neureuther dazwischen, "in die Schulen!" Jaja, natürlich, so Herrmann, er sei ja nicht zuständig, sondern der Kultusminister, aber: "Völlig Ihrer Meinung", da müsse man was machen. Dem Garmischer langt das nicht: "Sie brauchen nicht glauben, dass Sie mir so weg kommen. Ich bin ein Nachbohrer, verstehst!" Jetzt hat er den Minister am Wickel: "Wir bleiben beide am Ball, abgemacht." Und dann ist sie da, die frohe Botschaft: "Wir starten jetzt das neue Programm für den Schulsport." Abgemacht! Bis dahin konnte man glauben, dass Politik und Sport wirklich nichts miteinander zu tun haben.

Bei der 19. Verleihung in der BMW-Welt geht es um "Bayerische Sportmomente für die Ewigkeit" (die Streif-Siege von Thomas Dreßen und Beppi Ferstl), um eine "Herausragende bayerische Sportkarriere" (die urlaubende Laura Dahlmeier bekam den Preis schon vor Wochen auf ihrem Hausberg, dem Wank bei Garmisch, überreicht), um Botschafter des Sports (Springreiterin Simone Blum und Skispringer Markus Eisenbichler), herausragende Nachwuchssportler (die Basketballerinnen des U18-Nationalteams) sowie um den "Jetzt-erst-recht-Preis" für die Parabiathletin Clara Klug. Alle diese Sportler sind durch Beharrlichkeit so erfolgreich geworden, insofern passt das Schlusswort von Ex-Fußballer Paul Breitner gut ins Bild. Der warnt den frisch gebackenen Schulsportförderer schon mal vor: "Herr Herrmann, ziehen Sie sich warm an!"