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SZenario:So bescheiden, so sympathisch

Das Filmfest München zeigt sich auch heuer zur Eröffnung als entspanntes Festival. Selbst Hollywood-Stars geben sich hier unprätentiös

Was so eine dicke Schlagzeile wert ist, zeigt sich bei der Eröffnung des 37. Münchner Filmfests im Mathäser-Kino. Da hat eine den Mund vielleicht etwas voll genommen. Digitalministerin Judith Gerlach von der CSU hatte, wohl zur Freude ihres Chefs Markus Söder, ein dröhnendes Interview gegeben - die Bild hatte daraufhin in der ganzen Stadt plakatiert: "Filmfest droht AUS!" Nun steht Gerlach tapfer auf der Bühne des großen Kinosaals und spricht von der "knisternden Spannung" und dem "heißesten Filmfest Deutschlands". Offenbar also droht dem Festival noch nicht ganz so schnell das Aus, auch wenn von 2021 an der Gasteig als Veranstaltungsort nicht zur Verfügung steht und die Stadt bisher nicht zu erkennen gibt, dass sie - dem Beispiel des Freistaats folgend - ihren Etat um ein paar Millionen Euro aufstocken wird.

Oberbürgermeister Dieter Reiter kommentiert den Auftritt seiner Vorrednerin mit bissiger Ironie, Söder ist ja leider nicht selbst da, um seine multimedialen Expansionspläne auszuführen. "Betrachten Sie das Filmfest nicht aus der Ferne", ruft Reiter der aus Unterfranken stammenden Staatsministerin zu, "und auch nicht aus Aschaffenburg". Vereinzeltes Gelächter, die internationalen Gäste verstehen nur Bahnhof. "Wir haben eine sehr gute Festivaldirektorin und einen sehr guten künstlerischen Leiter", ergänzt der OB mit Blick auf die im waldmeistergrünen Pailletten-Hosenanzug glitzernde Diana Iljine - Söder hatte ja angedeutet, dass man ganz neue Führungskräfte für das Festival rekrutieren müsse, um der Berlinale mal so richtig Konkurrenz zu machen.

Nach dem Schlagabtausch läuft der Eröffnungsfilm "The Art of Self-Defense". Hauptdarsteller Jesse Eisenberg steht neben Regisseur Riley Stearns auf der Bühne, stilsicher im schwarzen Anzug mit passender Krawatte (die meisten Gäste haben hitzebedingt ihre Sakkos längst weggelegt). So bescheiden, so sympathisch-unprätentiös erlebt man Hollywood-Stars eher selten, aber München ist eben auch ein entspanntes Festival, von kleineren Rempeleien abgesehen. Der Film sei eine "brillante Satire auf die Absurditäten der Männlichkeit", sagt Eisenberg. Kann man so sehen.

Beim Empfang im Bayerischen Hof gehen die Ansichten über die doch sehr heftige Komödie stark auseinander. Thomas Gottschalk findet den Film herrlich absurd und anregend: "Dieses Männlein, das auch mal zuschlagen möchte, das sind wir doch alle." Seinen Söhnen hätte das aber eher nicht gefallen, "die stehen auf klassische Superhelden und Weltretter". Regisseur Oskar Roehler ist nicht sicher, ob "The Art of Self-Defense" wirklich gelungen ist, "auf alle Fälle ist das ein altmodischer Film mit einem großartigen Hauptdarsteller".

Oberbürgermeister Dieter Reiter

"Betrachten Sie das Filmfest nicht aus der Ferne. Und auch nicht aus Aschaffenburg".

Lange nicht mehr so viel schwarzen Humor im Kino erlebt, auf dieses Urteil können sich die meisten einigen. Nur Katja Eichinger muss passen, sie kommt direkt aus der Staatsoper von der "Salome"-Premiere und wirkt sehr aufgewühlt: "Bei der Tanzszene hab ich geweint, das war einfach überwältigend." Wäre vielleicht auch mal eine schöne Schlagzeile im Münchner Sommer: "Bayerische Staatsoper - zum HEULEN!"