SZ-Serie: Über den Tellerrand Balkanplatte geht immer

In der Opatija-Filiale am Rindermarkt wird ein Gericht angeboten, das früher "beim Jugoslawen" der Klassiker schlechthin war: die Balkanplatte.

(Foto: Robert Haas)

Balkan-Restaurants gibt es in München viele - explizit kroatische aber recht wenige. Das neu eröffnete kroatische Lokal "Opatija" im Tal führt gar ein deutscher Wirt. Der Klassiker, die Balkanplatte, steht aber auf der Karte.

Von Franz Kotteder

Früher, ein jeder weiß das, war das Leben einfach. Wenn man Lust auf Grillspieße mit scharfer Soße hatte, ging man "zum Jugo" und bekam all die Schätze aufgetischt, die der Balkan so zu bieten hat. Den "Jugo" als solchen gibt es aber nicht mehr, der immer gern so genannte Vielvölkerstaat hat sich längst aufgelöst, und von den neuen Teilstaaten sind bislang nur Slowenien und Kroatien der Europäischen Union beigetreten.

So richtig klar abgrenzen lässt sich die kroatische Küche von der bosnischen, serbischen, slowenischen und mazedonischen ohnehin nicht. Tatsächlich wurde zum Beispiel das Lokal Cevabdzinica 10 in der Oberländerstraße 3 b eigentlich von Immigranten aus Bosnien-Herzegowina gegründet - und vor allem durch seine Cevapcici bekannt. Die aber gelten im gesamten früheren Jugoslawien als Nationalspeise, nicht nur in Bosnien.

Insofern ist es schwierig, original kroatische Restaurants in München zu benennen. Selbst das gerade eben neu eröffnete Opatija im Tal in der Hochbrückenstraße 3, benannt nach der kroatischen Hafenstadt an der Adria, gehört nicht etwa einem Kroaten, sondern dem Wirt Ralf Faltermeier. Der ist übrigens der Bruder des deutschen Hollywood-Komponisten Harold Faltermeyer, gebürtig aus Vaterstetten, der als erklärter Hobbymetzger auch gerne Würstl macht. Insofern dürfte er die Bosnia-Wurst seines Bruders Ralf zu schätzen wissen.

Original kroatisch und im gehobenen Bereich der Balkanküche zu verorten ist der Dalmatiner Grill in der Geibelstraße 10 in Bogenhausen. Seit mehr als 30 Jahren kocht hier die Familie Kovacec. Ersichtlich Wert auf ihre Herkunft legt auch die Familie Katic in Waldtrudering, sie nennt ihr Lokal an der Wasserburger Landstraße 223 explizit Croatica. Da weiß man, woran man ist. Bei der Gaststätte Freiland in der Aidenbachstraße 86 kann man sich da nicht so sicher sein. Denn die Familie Zaric, die das Lokal seit 40 Jahren betreibt, hat doch tatsächlich einen "Jugo-Mix" für 8,50 Euro auf der Karte stehen: ein Grillteller mit Spezialitäten aus (inzwischen) mehreren Ländern.

Europa ist nicht nur nüchterne Politik, sondern auch kulinarischer Genuss: Vor der Europawahl stellt die SZ in ihrer Serie die gastronomischen Vertreter der EU in München vor.