SZ-Serie: Pixelhelden, Folge 8Auf Mission in München

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Das Spiel "Hauma" von SenAm Games schickt eine Privatdetektivin quer durch die Stadt

Von Eric Hartmann, München

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Videospiele machen Spaß, trotzdem genießen sie abseits der Fangemeinde häufig keinen so guten Ruf. Zwischen Debatten über Gewaltdarstellungen und Suchtgefahren für Jugendliche gerät schnell aus dem Blick, dass sie mehr zu bieten haben, als es manchmal scheint. "Spiele sollen Spaß machen, gleichzeitig sollen sie auch einen Mehrwert bringen. Wenn man raus geht, soll man auch etwas mitnehmen", meint etwa Senad Hrnjadovic, Geschäftsführer von SenAm Games. "Das Besondere an ,Hauma' ist, dass es an einen realen Ort andockt. Die Idee ist, dass man durch das Spielen einen Ort, die Menschen, die Kultur kennenlernen kann."

"Hauma" ist das Spiel, das Hrnjadovic mit seinem Team in München entwickelt. Darin spielt man die ehemalige Polizistin und Privatdetektivin Judith, die sich in München daran macht, einen unaufgeklärten Mordfall zu lösen. In dieser Mission gelangt sie auf die Spur eines antiken Rezepts, mit dem das Unsterblichkeitsserum Hauma hergestellt werden kann. Bereits seit Generationen ist ihre Familie auf der Suche danach. Aber auch ein ominöser Kult, der sich im Herzen Münchens eingenistet hat, will das Rezept für seine Machenschaften nutzen. Bühne für diese Story sind bekannte Locations wie das Haus der Kunst, die Allianz-Arena, der Englische Garten oder das Oktoberfest.

Ein unaufgeklärter Mordfall führt die Privatdetektivin Judith auch zum Haus der Kunst.
Ein unaufgeklärter Mordfall führt die Privatdetektivin Judith auch zum Haus der Kunst. SenAm Games

Präsentiert wird die Kriminalgeschichte mit Mystery-Einschlag als Point-and-Klick-Adventure. Genretypisch muss der Spieler sich durch die Spielwelt klicken, Gegenstände sammeln und kleine Rätsel lösen, um den Geheimnissen um Hauma auf die Schliche zu kommen. Als "visual novel" (visueller Roman) ist das Spiel außerdem geprägt von langen Dialogen, die die Geschichte voranbringen. Inspiriert wurde esdurch das japanische Adventure "Ace Attorney", in dem ein Anwalt in Mordfällen ermittelt. Als weiteren Einfluss nennt Hrnjadovic den Film Pulp Fiction, der für seine besondere Erzählstruktur bekannt ist.

Die visuelle Gestaltung fällt besonders durch ihre künstlerische Ader auf: Starke Kontraste, abstrakte, stilisierte Darstellungen und der limitierte Einsatz von Farben prägen das Spiel. "Wir wollen erwachsene Unterhaltung machen und da fügt sich der Art-Style ein. Der Vorteil, den wir als kleines Team haben, ist, dass wir auch mal was Verrücktes machen können. Wir haben daher auch beim Art-Style geschaut, dass wir etwas machen, was es bisher so noch nicht gab", sagt Hrnjadovic.

Senad Hrnjadovic ist Geschäftsführer von SenAm Games in München und entwickelt zusammen mit einem vierköpfigen Team neben dem Spiel "Hauma" derzeit auch "Heal the world" über den Klimawandel.
Senad Hrnjadovic ist Geschäftsführer von SenAm Games in München und entwickelt zusammen mit einem vierköpfigen Team neben dem Spiel "Hauma" derzeit auch "Heal the world" über den Klimawandel. SenAm Games

Neben dem Geschäftsführer Senad Hrnjadovic arbeiten noch vier Freelancer an "Hauma". Die Beteiligten haben bereits viel Erfahrung in der Entwicklung von Geschichten und Spielmechaniken. In dieser Konstellation arbeiten sie aber das erste Mal zusammen, "Hauma" ist das Debüt des Teams. Zusammen entwickeln sie gerade eine Demo-Version mit dreißig Minuten Spielzeit. Story und Spielabläufe stehen bereits, jetzt arbeitet das Team noch an der visuellen Umsetzung und an der Vertonung. Die Demo-Fassung soll bereits im August veröffentlicht werden und kann dann kostenlos über die Plattform Steam gespielt werden. Danach wird sich Hrnjadovic auf die Suche nach Publishern machen, die das Spiel produzieren wollen. Eine andere Möglichkeit wäre, das Spiel per Crowdfunding zu finanzieren, was eine unabhängige Umsetzung ermöglichen würde.

Sobald die Demo-Version von "Hauma" veröffentlicht ist, geht es schon an das nächste Projekt. Vor Kurzem hat das Team eine Förderzusage vom Film-Fernseh-Fonds Bayern für die Konzipierung eines zweiten Spiels erhalten. In dem Spiel mit dem Arbeitstitel "Heal the World" soll es um eine historische Aufarbeitung des Klimawandels gehen. Auch hier zeigt sich der Anspruch, gesellschaftlich relevante Themen zu behandeln und so einen Mehrwert für den Spieler zu schaffen. Mit Ambition und frischen Ideen versucht das Team um Senad Hrnjadovic, Geschichten künstlerisch zu erzählen und die Spieler dabei in Kontakt mit anderen Kulturen, anderen Denkweisen und gesellschaftlichen Debatten zu bringen. Und es macht damit deutlich, dass Videospiele einen größeren Anspruch haben können, als bloße Dopamin-Spritzen zu sein.

Aktuelle Infos über SenAm Games und "Hauma" unter www.senam-games.com

© SZ vom 20.07.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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