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SZ-Serie: Hinter den Masken:Covid-frei fürs Kind

Intensivpflegerin Esther Kaaden jongliert Job und Familie

Da war zum Beispiel dieser eine Patient, noch relativ jung, Mitte 40, aber mit einer Grundkonstitution, die ihn zum Risikopatienten machte. "Ich dachte, wenn wir ihn intubieren und beatmen müssen, dann wird er es nicht schaffen", sagt Esther Kaaden. Die 53-Jährige ist Intensivpflegekraft und Stationsleiterin im Schwabinger Krankenhaus. Der Patient hat es geschafft. Er hat die Beatmung gut überstanden und konnte schließlich auf die Normalstation verlegt werden. "Das war ein Erfolgserlebnis", sagt Esther Kaaden. Eines, das ihr in Erinnerung blieb.

Ein anderes Erfolgserlebnis der vergangenen Wochen: "Mein Team, das alle Herausforderungen annimmt, mitarbeitet und Dienste anbietet. Das würde sonst nicht funktionieren. Da bin ich sehr stolz drauf." Etwa 40 Fachkräfte arbeiten bei ihr auf der Intensivstation. Der Unterschied zwischen "vor" und "seit" Corona? "Vorher gab es Struktur." Zur Hälfte war Kaaden Stationsleiterin, erstellte Dienstpläne, machte Fördergespräche mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die andere Hälfte arbeitete sie als Fachkrankenschwester am Patientenbett. "Jetzt gibt es überhaupt keine Struktur." Zumindest während der ersten Wochen der Pandemie gab es erst einmal keine - weil alles neu erarbeitet werden musste. Und Esther Kaaden war plötzlich fast nur noch mit Organisieren beschäftigt. Damit, Fachkräfte und Helfer zu koordinieren, die sie neu dazu bekamen. Manche mussten geschult werden, sie hatten noch nie auf einer Intensivstation gearbeitet. Ganze Stationen wurden umgebaut, Patienten mussten verlegt werden, Schleusen errichtet werden. Sie haben im Schwabinger Krankenhaus jetzt ein komplettes Gebäude, das nur für die Versorgung von Covid-Patienten hergerichtet worden ist.

Die meiste Zeit habe sie einfach funktioniert, sagt Esther Kaaden. Ihr Mann ist ebenfalls Intensivpfleger. Abends zu Hause haben sie oft gar nicht mehr geredet, "wir sind einfach ins Bett gefallen". Familienleben fiel aus. Obwohl sie eine zehnjährige Tochter haben, die natürlich versorgt werden musste. Ein paar Tage besuchte sie die Notbetreuung, dann regelten sie es anders, "aber sie war auch mal ein paar Stunden allein zu Hause". Wenn die Eltern doch mal zu viel über die Arbeit sprechen, sagt die Tochter: "Stopp, jetzt ist Covid-frei." Sie sage nicht Corona, sagt Esther Kaaden und lacht. "Sie sagt Covid." Kennt sich eben aus, das Kind.

© SZ vom 20.05.2020

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