SZ-Serie: Hinter den Masken:Alles mal zwei

SZ-Serie: Hinter den Masken: Musste es erst eine Pandemie geben, damit man erkennt, wie wichtig die pflegerischen Berufe sind? Das fragt sich nicht nur Roland Zeiler-Matthé.

Musste es erst eine Pandemie geben, damit man erkennt, wie wichtig die pflegerischen Berufe sind? Das fragt sich nicht nur Roland Zeiler-Matthé.

(Foto: Stephan Rumpf)

Roland Zeiler-Matthé koordiniert 130 Pflegerinnen und Pfleger

Von Anna Hoben

Vor zwei Jahrzehnten hat Roland Zeiler-Matthé den Beruf des Pflegers erlernt. Heute ist er Bereichsleiter für die Notaufnahmen der Kliniken Neuperlach und Harlaching, er ist zuständig für die "groben organisatorischen Strukturen", wie er sagt, und trägt Verantwortung für fast 130 Pflegerinnen und Pfleger. Mit der Corona-Krise, sagt er, habe sich sein Aktionsradius verdoppelt. Das hängt auch damit zusammen, dass die Notaufnahmen auf doppelte Kapazität hochgefahren wurden. In Neuperlach etwa installierten sie innerhalb einer Woche eine zweite Notaufnahme, um Patientenströme lenken und Infizierte von Nicht-Infizierten trennen zu können.

Vormittags ist Zeiler-Matthé, 40, in Neuperlach, nachmittags in Harlaching, in Krisenstäben, Besprechungen, bei den Mitarbeitern. Zu seiner eigentlichen Tagesarbeit im Büro kommt er meist nicht vor 16 Uhr. Abendbrot isst er in der Klinik - wenn er nach Hause kommt, hat oft kein Laden mehr auf. Mails schreibt er noch abends um zehn; manchmal ist er davor schon das erste Mal auf der Couch eingeschlafen. Über Ostern, als er vier Tage frei hatte, schlief er 40 Stunden. "Ich habe den Schlaf von drei, vier Wochen nachgeholt."

Die Stimmung beim Pflegepersonal habe sich in den vergangenen Wochen "total verändert", sagt Zeiler-Matthé, er meint: zum Positiven. Jetzt sei die Zeit, um Dinge zu ändern, die "immer im Argen waren oder ungeklärt oder komisch". Das fängt bei der internen Kommunikation an: Das Unternehmen informiert nun alle Mitarbeiter in einer täglichen Mail über den aktuellen Stand zu Covid-19. Wo es früher hieß, "das war schon immer so", sei nun viel mehr Flexibilität möglich. Dass der Freistaat die Verpflegung der Krankenhausmitarbeiter bezahlt, freue die Kollegen. Sie nennen es das "Söder-Frühstück". Eine Pandemie-Zulage sei "natürlich super" - aber, so fragt er auch, muss es erst eine Pandemie geben, damit man erkennt, wie wichtig die pflegerischen Berufe sind?

Er hofft, dass aus dem neuen Miteinander viel mitgenommen wird. "Denn irgendwann ist die Pandemie vorbei." Manches ändere sich ja schon. In Deutschland wurde immer viel über vermeintlich zu viele Klinikbetten diskutiert. "Jetzt, im europäischen Vergleich oder im Vergleich mit den USA, sind wir froh über die Betten." Was auch immer nach der Krise sein wird, Zeiler-Matthé ist stolz auf seine Kollegen und deren Berufsethos. Dass jemand etwa aus Angst nicht zu Covid-Patienten wollte, sei noch nie vorgekommen. "Das ist einfach unsere Aufgabe."

© SZ vom 05.05.2020
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