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Besondere Berufe:Was macht eigentlich ein Nachlasspfleger?

"Alles, was im Leben passiert, landet bei uns auf dem Schreibtisch", sagt Bertram Rudolf. "Und das ist auch das Spannende an unserem Job." Zu dem gehört außerdem stets große Diskretion.

(Foto: Robert Haas)

Bertram Rudolf tritt in Aktion, wenn die Erben eines Toten nicht zu ermitteln sind. Dann muss er in Wohnungen, in denen seit langem niemand mehr war - oder als Chef eines Unternehmens einspringen.

Wenn Leichen mehrere Tage in einer Wohnung liegen, setzt sich ihr Geruch überall fest. In den Möbeln, den Vorhängen, den Teppichen. Alles waschen hilft nichts. Es kann sein, dass man den Putz von den Wänden schlagen muss, weil sonst der Geruch immer wieder zurückkommt.

Bertram Rudolf muss in solche Wohnungen rein. Er ist Nachlasspfleger und wird immer vom Gericht eingesetzt, wenn sich die Erben von Verstorbenen nicht ermitteln lassen. Seine Aufgabe ist es, festzustellen, was zu einem Erbe gehört und wer überhaupt alles etwas bekommen soll. Und das ist oft gar nicht so einfach. Es dauere meist drei bis vier Monate, manchmal Jahre, sagt Rudolf.

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Er ist an die zwei Meter groß und trotz seiner Größe keiner, der sich in den Mittelpunkt drängt. Wenn er spricht, klingt es immer ruhig und bedacht. Er tratscht nicht, er quatscht nicht. Zu seinem Beruf gehört die Diskretion. Und ebenso nüchtern ist seine Kanzlei in Nymphenburg. An den Wänden ein paar abstrakte Bilder, in der Ecke ein Stehpult mit einem aufgeschlagenen Notizbuch. Auf dem runden Glastisch liegen mehrere Akten mit grünem Umschlag.

Sie sind das Erste, was Rudolf vom Nachlassgericht bekommt. Darin steht alles, was bis dahin über den Toten bekannt ist. Wie schwierig sein Job werden kann, ahnt Rudolf manchmal schon nach dem ersten Durchblättern. Zum Beispiel, wenn da der Vermerk "bitte desinfizieren lassen" steht. Das kann heißen, dass er in eine Wohnung muss, wo seit Jahren nicht geputzt wurde, wo sich der Müll stapelt, wo Ungeziefer haust. In seinem Aktenkoffer hat er deshalb immer Atemschutzmaske, Gummihandschuhe und Überzieher für die Schuhe dabei.

Nach Polizei und Feuerwehr sind Rudolf und seine Kollegen oft die Ersten, die Wohnungen von Verstorbenen betreten. Ihr Ziel ist es, Wertgegenstände zu finden, die zum Nachlass gehören, und Dokumente, mit denen sich ermitteln lässt, wer das alles bekommen soll. Geburtsurkunden, Scheidungspapiere. "Alles, was im Leben passiert, landet bei uns auf dem Schreibtisch", sagt Rudolf. "Und das ist auch das Spannende an unserem Job."

In den Wohnungen arbeitet er sich immer von links unten nach rechts oben Stück für Stück vor. Rudolf weicht nie von diesem System ab. Bei jeder Kette, jeder Münze, jeder Briefmarke muss er sich fragen, ob sie wertvoll sein könnte. Wenn ja, muss er den Gegenstand zu Geld machen, oft in den großen Auktionshäusern. Aber die nehmen eben nur Dinge, die wirklich wertvoll sind. "In letzter Konsequenz verkaufen wir auch bei Ebay."