SZ-Serie: Die Klassen von 2021:Blick nach vorn

Präsenzunterricht ist nicht zu ersetzen. Und doch wäre es gut, wenn Schüler auch in Zukunft online dabei sein könnten - solange das nicht zum Schwänzen ausgenutzt wird

Kolumne von Yannick Andricek

Schüler sprechen über ihr Abschlussjahr Yannick Andricek

Yannick Andricek von der FOS an der Barlachstraße.

(Foto: Catherina Hess)

Eigentlich bin ich ein Nachtmensch. Jedenfalls dachte ich das. Nun ist die Schulzeit vorbei und ich sitze auch schon am Vormittag gerne freiwillig am Computer. Früh aufstehen gibt meinem Tag eine Struktur. Ich arbeite im Moment viel als Videocutter. Das heißt ich bearbeite Filme, kürze sie, bringe Effekte rein, mache sie schöner. Ich habe mir das alles selbst beigebracht. Anfangs noch mit kostenlosen Programmen. Mein größter Wunsch war viele Jahre lang das Programm Premiere Pro. Dazu brauchte ich aber erst mal einen leistungsstarken PC. Den habe ich vor anderthalb Jahren bekommen, jetzt kann ich professionell arbeiten. Es macht mir unheimlich viel Spaß, Video-Clips zu schneiden. In diese Richtung möchte ich auch beruflich gehen.

Ich bin froh, dass ich nun mit dem 13. Schuljahr an der FOS mehr Möglichkeiten zum Studieren habe. Der Weg dahin war nicht leicht. Ich bin dafür zwei Mal innerhalb von zwölf Monaten durch eine anstrengende Prüfungszeit gegangen. Nun habe ich also die Fachgebundene Hochschulreife. Weil ich keine zweite Fremdsprache gelernt habe, ist es nicht die Allgemeine Hochschulreife. Dieses letzte Schuljahr war wegen Corona sicher nicht so, wie ein 13. Schuljahr aussehen sollte. Ich habe gemerkt: Präsenzunterricht ist eigentlich nicht ersetzbar. Unsere Lehrer haben sich wirklich sehr bemüht, die Defizite wettzumachen. Aber der Austausch mit den anderen fehlt, wenn man sich nur über Kameras sieht. Diskussionen kommen eher schwierig zustande, man muss sich viel mehr konzentrieren.

Sich selbständig Unterrichtsstoff beizubringen, ist auch nicht ohne. Nichtsdestotrotz fände ich es richtig, wenn auch in Zukunft Schüler von zu Hause aus zum Unterricht zugeschaltet werden könnten. In unserer Schule wird diese Möglichkeit gerade diskutiert. Online dabei zu sein, ist eine gute Chance, wenn man sich mal nicht wohlfühlt und nicht in die Schule kann. Ich fände es auch sehr sinnvoll, wenn die Lehrer ihre Materialien weiterhin über eine Plattform hochladen würden. Natürlich darf man als Schüler diese Möglichkeit nicht zum Schwänzen ausnützen. Ich wünsche den nachfolgenden Klassen, dass dies für sie möglich wird. Ich selbst bin aber froh, dass ich die Schule, vor allem die Prüfungen, hinter mir habe. Letztlich ist alles ganz gut gelaufen.

Im Wechsel schreiben Schülerinnen und Schüler verschiedener Schultypen: Maya Grombach, Theresia-Gerhardinger-Mädchenrealschule; Bara Chayah, Mittelschule Toni-Pfülf-Straße; Niklas Krofta, Klenze-Gymnasium; Lilli Schickel und Yannick Andricek, FOS an der Barlachstraße.

© SZ vom 10.07.2021
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