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SZ-Serie: Bauch, Beine, Kopf:Wild gewordene Herde

Rezepte, Übungen und Rätsel für den Corona-Alltag daheim. Heute: Die überraschende Lösung der "Münchner Elefantenkatastrophe"

Der Vorfall ist als "Münchner Elefantenkatastrophe" in die Geschichte eingegangen. Am 31. Juli 1888 feierte die Stadt München den 100. Geburtstag König Ludwigs I. und damit sich selbst als Kunststadt. Tausende Menschen und Tiere formierten sich zu einem drei Kilometer langen Festzug mit Ziel Odeonsplatz, es ging zu wie beim Fasching. Schauspieler und Studenten waren in historische Kostüme geschlüpft, Reiter saßen auf Kamelen, die Schäffler tanzten, Vereine und Gewerbetreibende präsentierten Themenwagen, ein Zirkus ließ exotische Tiere mitmarschieren, die Spirituosenhersteller hatten eine riesige dampfende Punschschüssel gefüllt. Doch das Fest stand unter keinem guten Stern.

Das begann schon beim Termin. Eigentlich hätten die Münchner das Fest schon zwei Jahre zuvor feiern wollen, Ludwig I. wurde ja 1786 geboren. Doch 1886 war wegen des Todes Ludwigs II. im Starnberger See ans Feiern nicht zu denken, das Fest wurde verschoben. Und nun kam es zur Katastrophe. Am Ende des Zuges marschierte die Münchner Eisenindustrie, und als Symbol für die vom Menschen beherrschten Naturgewalten hatte man eine Lokomotive in einen Drachen umgebaut, der Dampf, Rauch und Feuer spie. Für acht Elefanten im Festzug war das zu viel. Den Anfang machte ein Elefantenbulle, auf dessen Rücken eine Kunstreiterin saß. Er begann wild zu trompeten, trampelte die Ludwigstraße nach Norden und randalierte vor der Staatsbibliothek. Drei Tiere folgten ihm, Panik brach aus, im Gedränge starben vier Menschen. Die Zirkuswärter brauchten die Hilfe schwerer Reiterei, um die Elefanten zu bändigen. Doch vier weitere Elefanten nahmen in die entgegengesetzte Richtung Reißaus und verbreiteten Angst und Schrecken im Tal. Einer soll ins Hofbräuhaus gerannt sein, andere brachen in ein Häuschen an der Baumstraße ein, wo sie eine Wohnung verwüsteten. Wie gelang es den Münchnern, die Elefanten wieder einzufangen?

A - Der Oberwärter des Zirkus konnte die Elefanten durch gutes Zureden beruhigen. Sie wurden gefesselt, gingen aber ganz friedlich zurück in ihren Stall auf der Theresienwiese.

B - Der Bisonjäger William Frederick Cody, genannt "Buffalo Bill", der mit seiner Wildwest-Show auf der Theresienwiese gastierte, fing den Leitbullen ein. Die anderen Tiere trabten dann zahm hinterher ins Gehege.

C - Das Kürassier-Regiment "Prinz Karl von Bayern" trieb die Tiere auf dem Gärtnerplatz zusammen und eskortierte sie zum Zirkus. Sein Regimentsabzeichen zierten deshalb bis 1919 statt zweier Säbel zwei Elefanten-Stoßzähne.

Der Elefanten-Tumult auf dem Odeonsplatz in München, 1888

Eine Zeichnung zeigt den Elefanten-Tumult in München.

(Foto: SZ-Photo)
Auflösung

A, B oder C?

A. Zirkusdirektor Carl Hagenbeck erklärte später, von allen Beteiligten der Münchner Elefantenkatastrophe hätten sich die Elefanten eigentlich am vernünftigsten benommen.

© SZ vom 09.04.2020 / wet

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