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SZ-Serie: Bauch, Beine, Kopf:Wie im Funkloch

Rezepte, Übungen und Rätsel für den Corona-Alltag daheim: Was Philipp Reis bei einem der allerersten Telefonate verstand

Das Telefon von Philipp Reis.

(Foto: imago)

Die Mahnung kam als leichter Reim daher, als gelber Aufkleber prangte sie auf dem grünen Apparat im Flur. Direkt unterhalb der Wählscheibe war zu lesen: "Bitte daran denken - Telefonkosten senken." Es war die Zeit vor der Erfindung der schnurlosen Telefone. Rufnummern tippte man nicht ein, man drehte an einem Plastikding mit Löchern. Und Fernsprechgeräte, die man sogar richtig mit nach draußen nehmen konnte, die kamen nicht einmal in Science-Fiction-Romanen vor. Telefonate konnten einen in den Ruin treiben. Flatrates: Fehlanzeige. Selbst ein kurzer Anruf bei der Freundin, beim besten Freund ums Eck kostete Geld. Dem Hinweis, es seien doch nur ein paar Pfennige, begegneten die Eltern dann gerne mit einem weiteren Gedicht: "Wer den Pfennig nicht ehrt ..."

Aberwitzig teuer waren Ferngespräche, doch wozu gibt es den Fortschritt, wenn man ihn nicht nutzt? München war immer vorne mit dabei. An diesem Mittwoch jährt sich zum 50. Mal, dass Münchner erstmals selbst in den Vereinigten Staaten anrufen konnten. Ein Telefonat von Kontinent zu Kontinent, das war eine Sensation. Wer sich so etwas bei Kosten von bis zu 110 Mark pro Minute überhaupt leisten konnte, musste es früher ganze 24 Stunden vorher anmelden. Fristen und Gebühren, von denen man heute nur noch träumen kann, und zwar ziemlich schlecht.

Im Deutschen Museum lagert unter der Inventarnummer 1905/2561 ein Stück Telekommunikationsgeschichte, das noch älter ist: ein Telefon von Philipp Reis. Dessen Experimente hatten zwar eine Sprachqualität, wie man sie heute nur noch aus Funklöchern kennt - er ließ sich aber davon nicht entmutigen. Wie lautet der berühmte Testsatz, den Reis' Schwager sprach, der Erfinder aber nur bruchstückhaft verstand?

A - Da steht ein Pferd auf dem Flur.

B - Wäre die Katze ein Pferd, könnte man die Bäume raufreiten.

C - Das Pferd frisst keinen Gurkensalat.

Man könnte testen, wie der Satz bei einer dieser Telefonkonferenzen ankommt, die seit der Coronakrise so beliebt sind; natürich nur zum Zwecke der Forschung. Besser als Sätze wie "Könnt ihr mich alle hören?" ist er allemal.

© SZ vom 30.03.2020 / sim

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