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SZ-Serie: Bauch, Beine, Kopf:München geerbt

Wie Herzog Ludwig der Strenge zu seinem Namen kam

738 Jahre, von 1180 bis 1918: Länger als die Wittelsbacher in Bayern regierte kaum ein Herrscherhaus irgendwo in Europa. Und ganze 663 Jahre lang unterhielten die Fürsten dieses Geschlechtes eine Residenz oder zumindest eine Festung in München. Die Geschichte der Stadt und die der Wittelsbacher sind eng miteinander verwoben. Dabei hätte alles auch anders kommen können.

Denn früher noch als in München ließen sich die Wittelsbacher isarabwärts in Landshut nieder. Dass die Herzöge nach München kamen, lag nur daran, dass es in Bayern im Mittelalter kein Primogeniturgesetz gab, demzufolge nur der älteste Sohn hätte erben dürfen - und dass in diesem Sinne Herzog Otto II., genannt der Erlauchte, bei seinem Tod 1253 zu viele noch lebende Söhne hatte, nämlich nicht nur einen wie jeweils sein Großvater und sein Vater, sondern zwei. Der ältere, Ludwig II., musste daraufhin gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Heinrich XIII. herrschen, und der Einfachheit halber teilten sie am Ende das Herzogtum. Heinrich blieb in der älteren Wittelsbacher-Residenz Landshut. Ludwig dagegen zog die Isar hinauf nach München. Dort ließ er ab 1255 eine Trutzburg an den Stadtrand setzen, um den Münchnern zu demonstrieren, dass mit ihm nicht zu spaßen war. Und schon 1256 machte er eindrucksvoll von sich reden. Später nannte man den Herzog wegen dieses Vorfalls "den Strengen". Was war geschehen?

A - Er ließ sechs Münchner Buben in den Kerker werfen, weil einer von ihnen seine Kutsche mit Pferdemist beworfen hatte.

B - Er ließ zwei Wochen lang die eigene Stadt belagern, weil sich die Ratsherren geweigert hatten, den Hof kostenlos mit Brot, Rindfleisch und Wein zu beliefern.

C - Er ließ eine seiner Ehefrauen hinrichten, weil er sie irrtümlich des Ehebruchs verdächtigte. Später tat es ihm leid.

Ludwig der Strenge kam 1255 nach München.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
© SZ vom 06.04.2020

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