SZ Gute WerkeVom Kindersoldaten zum Arbeitslosen

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Nach der Trennung von seiner Partnerin lebte der 26-Jährige ein Jahr lang in Wohnungslosenunterkünften (Symbolbild).
Nach der Trennung von seiner Partnerin lebte der 26-Jährige ein Jahr lang in Wohnungslosenunterkünften (Symbolbild).
Rolf Vennenbernd/dpa

Ibrahim A. floh als Kind aus Somalia, überstand den Krieg und die Flucht. Doch nun lebt der 26-Jährige nach mehr als zehn Jahren in Deutschland erneut am Existenzminimum.

Von Sebastian Strauß

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Ibrahim A. sagt, er wolle vor allem eines: ein „normales Leben“. Doch seit der 26-Jährige seine Stelle als Security-Mitarbeiter verloren hat, ist das kaum noch möglich.

Man erreicht Ibrahim A. (Name von der Redaktion geändert) an einem Freitagvormittag Anfang Dezember am Telefon. Er lebe nur noch vom Nötigsten, sagt er. Seine Stimme ist ruhig, manchmal fast zu leise. Der Grund für die Kündigung sei, dass seine Identität aufgrund „ausländerrechtlicher Vorgaben“ nicht ausreichend überprüft werden könne. Dabei lebe er seit mehr als zehn Jahren in Deutschland und besitze eine originale Geburtsurkunde.

Dass seine Vergangenheit noch heute über den Verlauf seines Lebens entscheidet, ist für A. schwer zu verstehen. Er hat bereits mehr erlebt als viele Menschen in einem ganzen Leben: Vieles hat er sich aufgebaut, manches wieder verloren. Seine Geschichte beginnt in einem kleinen Dorf in Somalia. Zehn oder elf Jahre alt sei er gewesen, sagt er. Damals befindet sich das Land im Bürgerkrieg, Terrormiliz gegen Regierungstruppen gegen andere Milizen. Der Krieg ist allgegenwärtig.

Er sitzt im Unterricht, als Männer der Terrormiliz al-Shabaab in die Koranschule eindringen und ihn und die anderen Jungen verschleppen. Sie bringen die Jungen in ein Lager, fernab des Dorfes. Dort sollen sie gedrillt werden, mit Waffen, mit Ideologie. „Sie wollten, dass wir kämpfen“, sagt A. Viele Kinder aus der Umgebung seien damals verschwunden, niemand habe gewusst, wohin.

Wer Ibrahim A. oder anderen Menschen, die in Not geraten sind, helfen will, wird um ein Geldgeschenk gebeten, Sachspenden können leider nicht entgegengenommen werden.

Bareinzahlungen sind im neuen SZ-Servicepunkt, im Kaufhaus Ludwig Beck, Eingang Dienerstraße, 1. OG, Marienplatz 11, möglich. Es ist von Montag bis Freitag jeweils von 10 bis 20 Uhr geöffnet.Sicher online spenden können Leser im Internet unter www.sz-gutewerke.de. Überweisungen sind auf folgendes Konto möglich:

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Irgendwann ergibt sich eine Gelegenheit zur Flucht. Tage später findet A. den Weg zurück zu seiner Mutter. Sie trifft eine schwere Entscheidung. „Wenn du hierbleibst, holen sie dich wieder“, habe sie gesagt. Damit er nicht auffällt, gibt sie ihm eine Burka. Ein Lastwagenfahrer schmuggelt ihn aus Somalia heraus, bis nach Äthiopien, zu einer Tante.

Doch seine Tante hat kaum Geld für ihre eigenen Kinder. A. soll weiterreisen, Richtung Norden, Richtung Europa. Ein Mann wird organisiert, der ihn begleiten soll. Doch statt ihn zu beschützen, bringt er ihn in ein Lager an der Grenze zwischen Sudan und Libyen. Seine Entführer fordern ein Lösegeld von seinen Eltern, anderenfalls würde er sterben. Um ihn freizukaufen, leihen sich seine Eltern Geld bei Verwandten.

Nach seiner Freilassung arbeitet der zwölfjährige A. in Libyen als Tagelöhner auf Baustellen. „Ich musste Geld verdienen, um weiterzukommen“, sagt er. Etwa ein Jahr lang spart er, bis er genug hat, um die Überfahrt zu bezahlen. Über Italien erreicht er schließlich Deutschland. Dort angekommen übernimmt das Jugendamt seine Betreuung. „Hier habe ich Hilfe bekommen“, sagt A. Er besucht die Mittelschule in Bayern und macht seinen Abschluss. Die Noten seien nicht gut gewesen. „Ich war vorher auf keiner richtigen Schule“, sagt er fast entschuldigend.

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Nach der Schule beginnt er eine Ausbildung. Währenddessen lernt er seine Partnerin kennen, aus einer Freundschaft wird eine Beziehung. Schließlich bekommt das Paar drei Kinder. Ein Jahr leben sie zusammen, dann trennen sie sich. Sie behält die Wohnung, A. zieht aus und wird obdachlos. Mehr als ein Jahr verbringt er in Wohnungslosenunterkünften.

Schließlich findet er Arbeit als Security-Mitarbeiter. Ein fester Job, eine kleine Wohnung, regelmäßige Besuche seiner Kinder. „Es war eng, aber es hat gereicht“, sagt er. Doch dann wird er im August dieses Jahres gekündigt. Nicht wegen seiner Arbeit, sondern wegen seiner Papiere. Die Behörden können seine Identität nicht „ausreichend klären“. Seine Geburtsurkunde werde nicht anerkannt, sagt er.

Nach mehr als zehn Jahren in Deutschland steht A. nun wieder am Rand des Existenzminimums. Die Jahre, in denen er nach all den Strapazen ein kleines Stück Normalität gefunden hatte, wirken plötzlich weit entfernt. „Ich will nur arbeiten und für meine Kinder da sein“, sagt er. Doch es fehlt ihm an vielem, selbst an den Dingen, die für Bewerbungen selbstverständlich sind: einem Laptop oder Drucker.

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