SZ Gute WerkeAuf Visite mit Doktor Paletti und Doktor Mortadella

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Doktor Roger Paletti (links) und Professor Doktor Mizzi Mortadella heitern die Stimmung von Patienten auf, denen nicht zum Lachen zumute ist.
Doktor Roger Paletti (links) und Professor Doktor Mizzi Mortadella heitern die Stimmung von Patienten auf, denen nicht zum Lachen zumute ist. (Foto: Claus Schunk)
  • Klinikclowns besuchen alle zwei Wochen die Kinder- und Jugendpsychiatrie am kbo-Heckscher-Klinikum in Haar und heitern dort kleine und große Patienten auf.
  • Der Verein Klinik Clowns hat in Bayern 76 Klinikclowns, die in 125 Einrichtungen jährlich rund 3000 Einsätze absolvieren.
  • SZ Gute Werke unterstützt die Klinikclowns mit Spenden bei ihrer wertvollen Arbeit mit kranken Menschen.
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Wenn kleine sowie große Patienten Angst und Sorgen haben, können Klinikclowns gegensteuern. Warum bei ihren Besuchen nicht immer gelacht wird – und das trotzdem hilfreich ist, um wieder gesund zu werden.

Von Claudia Wessel

Doktor Roger Paletti setzt sich – aber da stand gar kein Stuhl, und er fällt auf den Po. Professor Doktor Mizzi Mortadella beugt sich derweil ganz weit vor, drückt mit spitzen Fingern auf die Klingel am Einkaufsladen und möchte zwei Eier kaufen. Eine Visite der besonderen Art erleben die Kinder der Vorschulgruppe in der Tagesklinik am Standort Haar des kbo-Heckscher-Klinikums für Kinder- und Jugendpsychiatrie an diesem Vormittag. Die Klinikclowns sind da.

Überrascht sind die Mädchen und Jungen, die hier gerade eifrig Einkaufen spielen und schon den kleinen Tisch für das anschließende Mahl gedeckt haben, aber nicht über den Besuch. Als Mizzi Mortadella kurz vorher auf Zehenspitzen vor der Glastür steht und ihre Nase an die Scheibe drückt, kommt gleich ein Mädchen, öffnet die Tür und sagt: „Hallo Clowns!“ Denn die beiden sind hier seit zweieinhalb Jahren bekannt wie bunte Hunde. Alle zwei Wochen kommen sie am Freitagvormittag für ein paar Stunden in die Klinik und lassen sich meist auf jeder Station für eine halbe bis dreiviertel Stunde blicken.

Das Clown-Paar gehört quasi zum Personal, denn es ist vom Verein Klinik Clowns fest für diesen Einsatzort eingeteilt. Das Vertrauensverhältnis zwischen ihnen, dem Personal und auch den kleinen Patienten ist daher besonders gut, wie die Clowns und die Ärztliche Direktorin Katharina Bühren sowie die Leitende Oberärztin Almut von Foerster versichern.

Bevor die lustigen Doktoren in ihren bunten Outfits und mit Schalk in den Augen losziehen auf die Stationen, informieren die Mitarbeitenden sie, ob es an diesem Tag etwas Besonderes zu beachten gibt und ob manche vielleicht keinen Besuch wünschen. Das ist ohnehin eine feste Voraussetzung: Die Clowns drängen sich nicht auf. Wenn sie etwa die stationären Kinder in ihren Zimmern besuchen, klopfen sie an und fragen, ob sie reinkommen dürften. „Einmal waren zwei Kinder im Zimmer gerade in ein Puzzle vertieft, sie baten uns sehr freundlich und höflich, wieder zu gehen“, erzählt Roger Paletti, der ohne Clownskostüm Peter Spiel heißt.

Wer die Arbeit der Klinikclowns sowie andere Initiativen unterstützten will, die Menschen in Not helfen, wird um ein Geldgeschenk gebeten, Sachspenden können leider nicht entgegengenommen werden.

Bareinzahlungen sind im neuen SZ-Servicepunkt, im Kaufhaus Ludwig Beck am Marienplatz, Eingang Dienerstraße, 1. OG, möglich. Es ist von Montag bis Freitag jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Sicher online spenden können Leser im Internet unter www.sz-gutewerke.de. Überweisungen sind auf folgendes Konto möglich:

SZ Gute Werke e. V.

HypoVereinsbank

IBAN: DE04 7002 0270 0000 0822 28

BIC: HYVEDEMMXXX

Spenden sind steuerlich abzugsfähig; bis zu einem Betrag in Höhe von 300 Euro reicht der vereinfachte Nachweis. Bei Spenden in Höhe von mehr als 300 Euro senden wir Ihnen die Spendenbestätigung zu, sofern auf der Überweisung der Absender vollständig angegeben ist.

Jede Spende wird ohne Abzug dem guten Zweck zugeführt. Alle Sach- und Verwaltungskosten trägt der Süddeutsche Verlag.

Am Standort Haar gibt es zwei Tageskliniken und zwei Stationen. Eine Tagesklinik mit bis zu elf Vorschulkindern versorgt Kinder mit autistischen und sprachlich-kognitiven Entwicklungsstörungen. In der anderen Tagesklinik werden bis zu zehn Schulkinder mit einer Intelligenzminderung und psychischen Störungen behandelt. Weiterhin gibt es 30 vollstationäre Behandlungsplätze für Grundschulkinder, die soziale, sprachliche, kommunikative, emotionale oder Lern-Störungen haben. Vor Ort gibt es auch die „Carl-August-Heckscher-Schule“, in der diese Kinder unterrichtet werden. Wenn die Clowns in der Schule sind, müssen sie auch manchmal auf Spielen und Unsinn-Machen verzichten, erzählt Mizzi Mortadella, die außerhalb der Klinik auf den Namen Mia Rohrbach hört, mit einem Grinsen. „Einmal musste ich mit einem Mädchen Stillarbeit machen. Wir haben ein Deko-Tier zusammengebaut, aber wir durften nicht sprechen.“

Für kleine Späße ist aber trotzdem bei jedem Einsatz Zeit, erzählen sie beim Besuch der Süddeutschen Zeitung. Manchmal hinterlassen sie in der Personalküche einen Luftballondackel oder dekorieren Kaffeekannen und Desinfektionsspender mit „Wackelaugen“. „Die Mitarbeiter finden die Clown-Besuche genauso schön wie die Kinder“, sagt die ärztliche Direktorin Bühren. Zum einen natürlich, weil sie durch deren Anwesenheit bei ihrer herausfordernden Arbeit unterstützt werden, zum anderen, weil die bunten und lustigen Besucher einfach die Stimmung aufheitern.

„Es geht aber nicht immer nur ums Lachen“, erklärt Elisabeth Makepeace, die Leiterin des Vereins, die diesen vor gut 28 Jahren in Bayern gegründet hat. Seinerzeit gab es nur in einem anderen Bundesland schon eine solche Einrichtung. Auf die Idee kam sie, weil ihre Schwester in Österreich bereits als Krankenhausclown tätig war. Ursprünglich wurden Clownbesuche für Klinik-Patienten in den USA erfunden. „Es geht einfach darum, Emotionen freizusetzen“, sagt Makepeace. So komme es durchaus vor, dass Patienten bei den Besuchen in Tränen ausbrechen.

Die Clown-Visiten gibt es nicht nur für Kinder, sondern auch für Schwerkranke in anderen Kliniken, etwa im Schwabinger Krankenhaus. „Wir haben in Bayern 76 Klinikclowns, die in 125 Einrichtungen jährlich rund 3000 Einsätze absolvieren“, sagt Makepeace. Die Spenden der SZ-Leserinnen und -Leser an SZ Gute Werke werden für kleine Aufwandsentschädigungen der Clowns und Fahrtkosten verwendet und bringen wertvolle Interaktion zu großen und kleinen Patienten – ob sie lachen oder manchmal auch weinen.

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