Wenn man Shahed H. fragt, was ihr Traum für die Zukunft ist, erklärt sie stolz: „Ich will studieren und entweder Allgemeinärztin oder Kinderärztin werden.“ Die ersten Schritte zu ihrem Traumberuf hat Shahed schon getan, seit einigen Monaten macht sie eine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in einer Praxis in München. Seit knapp vier Jahren lebt sie inzwischen in Deutschland.
Dabei war H. gerade einmal 14 Jahre alt, als sie mit ihren sieben Geschwistern und ihrer alleinerziehenden Mutter nach Deutschland kam. Die Familie floh Ende 2021 aus Syrien, nachdem der Bürgerkrieg in dem Land ein sicheres Leben für die Familie unmöglich gemacht hatte. Nach Aufenthalten in mehreren Flüchtlingscamps erreichte die Familie schließlich Deutschland und wohnt zurzeit in einem Wohnprojekt. „Ich habe dann Deutsch beim Fußballspielen auf der Straße gelernt“, erklärt die inzwischen 18-Jährige.
Auch um ihre Ausbildungsstelle habe sie sich selbst gekümmert. Während ihres Berufsvorbereitungsjahrs (BJV) hat Shahed H. bereits ein vierwöchiges Praktikum im medizinischen Bereich absolviert und nach dem BJV den Entschluss gefasst, eine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten zu beginnen. „Mir gefällt es, mit Patienten zu arbeiten. Die sind immer sehr nett“, erläutert H. ihre Motivation für ihre Berufswahl. In der Praxis kümmert sich die Auszubildende um Dinge wie Blutabnahmen, EKGs oder sie fungiert als Dolmetscherin, wenn Patienten nicht gut Deutsch sprechen. „Man merkt immer einen Unterschied, wenn die Mitarbeiter nett zu den Patienten sind, sind die Patienten auch nett zu uns“, begründet H. ihre positive Einstellung in der Praxis. Sie versuche immer, den Patienten ein Lächeln abzugewinnen. Sie träumt davon, eines Tages Ärztin zu werden.
Wenn sie nicht in der Praxis arbeitet, ist die 18-Jährige tagsüber meist in der Berufsschule. Dort engagiert sie sich als Klassensprecherin; im vergangenen Jahr war sie sogar Schülersprecherin. Wieso sie diese ganze Verantwortung auf sich nimmt? „Ich will Menschen helfen. Früher in Syrien ging das nicht, aber ich habe versprochen, dass ich Menschen helfe, wenn ich es kann“, sagt H. Bald will sie auch in der Schülermitverantwortung (SMV) mitarbeiten. Dabei wird sie gerade in ihrem Berufsschulalltag immer wieder vor Herausforderungen gestellt. Das Ausbildungsgehalt wird auf das Bürgergeld der Familie angerechnet, weswegen die finanziellen Mittel der neunköpfigen Familie trotz ihrer Ausbildung begrenzt sind.
So fehlt es auch an Geld für einen Laptop für H., den sie eigentlich für ihre Schularbeiten bräuchte. „Wir müssen Referate über unseren Arbeitsalltag halten oder Bilder mitbringen. Das muss ich dann immer in einem Jugendzentrum an den Computern vorbereiten“, berichtet H. Auch das Berichtsheft für ihre Ausbildung führt sie per Hand auf Papier und überträgt es dann am Computer, wenn sie Zeit dafür hat. Für all das muss sie immer wieder den Weg ins nächste Jugendzentrum antreten, da sie während der Arbeitszeit keine Gelegenheit hat, die Notizen zu digitalisieren.
Wer Shahed H. oder anderen Menschen, die in Not geraten sind, helfen will, wird um ein Geldgeschenk gebeten, Sachspenden können leider nicht entgegengenommen werden.
Bareinzahlungen sind im SZ-Servicepunkt, im Kaufhaus Ludwig Beck, Eingang Dienerstraße, 1. OG, Marienplatz 11, möglich. Es ist von Montag bis Freitag jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet.Sicher online spenden können Leser im Internet unter www.sz-gutewerke.de. Überweisungen sind auf folgendes Konto möglich:
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Auch an diesem Freitagvormittag hätte die Auszubildende eigentlich Online-Unterricht gehabt. „Weil das an meinem Handy aber nicht gut geht, kann ich nicht teilnehmen und die Lehrer haben mir freigegeben“, erläutert sie. Auch auf der Arbeit in der Arztpraxis fehlt es der 18-Jährigen noch an eigenen Utensilien. So würde sie sich gerne mit einem eigenen Stethoskop ausstatten. Unabhängig werden, eigenes Geld verdienen und eines Tages nach dem Medizinstudium in Deutschland als Ärztin arbeiten ‒ darauf will Shahed H. weiter hinarbeiten, am liebsten bald mit einem eigenen Laptop ohne den Umweg über die Computer des Jugendzentrums.

