SZ Gute WerkeSo können Sie spenden

Lesezeit: 4 Min.

Jens Kalaene/dpa
  • SZ-Leserinnen und -Leser spendeten in der 76. Aktion von SZ Gute Werke insgesamt 6,76 Millionen Euro für Menschen in München und Umland.
  • Laut Münchner Armutsbericht von 2022 muss jeder sechste Münchner mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgrenze auskommen und ist auf Hilfe angewiesen.
  • Das 1948 gegründete Hilfswerk verteilt unter anderem 3000 Lebensmittelpakete und unterstützt über Partnerorganisationen Menschen in akuten Notlagen unbürokratisch.
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Leserinnen und Leser der Süddeutschen Zeitung spenden für Menschen in München und im Umland, deren Leben durch Schicksalsschläge oder Erkrankungen aus der Bahn geraten ist. So können auch Sie spenden.

Von Karin Kampwerth

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Es ist eine unscheinbare Aufbewahrungsbox aus transparentem Kunststoff, so wie man sie im Baumarkt kaufen kann. Doch sie enthält keinen Krimskrams, um daheim Ordnung zu schaffen. Die Box ist prall gefüllt mit Briefen, Karten und ausgedruckten E-Mails. Es sind kleine Ausschnitte aus Lebensgeschichten von Menschen, mit denen es das Schicksal nicht gut gemeint hat. Die aufgrund von tragischen Ereignissen, schweren Erkrankungen oder widrigen Umständen, die sie nicht zu verantworten haben, in Not geraten sind. Ihnen zur Weihnachtszeit ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, etwas Optimismus zu schenken und Mut zu spenden durch die Gewissheit, dass sie nicht alleine gelassen werden, dafür stehen SZ Gute Werke seit 1948.

Einst vom damaligen Lokaljournalisten und späteren Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, Werner Friedmann, im kalten Nachkriegswinter als SZ-Adventskalender gegründet, wurde das Hilfswerk zum 75. Geburtstag in SZ Gute Werke umbenannt. Aus gutem Grund, denn Hilfe für notleidende Menschen in der Stadt und in der Region ist längst nicht mehr nur an Weihnachten, sondern das ganze Jahr über wichtig. „Die Not wird bedauerlicherweise immer größer“, stellt Martina Linke, stellvertretende Leitung des Spendenhilfswerks, fest.

Per Paypal oder per Lastschriftverfahren unter sz-gutewerke.de/spenden. Mit einer Überweisung an SZ Gute Werke e.V., HypoVereinsbank, IBAN DE 04 7002 0270 0000 0822 28, BIC HYVEDEMMXXX.

Spenden können Sie auch im SZ-Servicepunkt im Kaufhaus Ludwig Beck, Marienplatz 11, Eingang Dienerstraße, 1. Obergeschoss. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr.

Spenden an SZ Gute Werke sind steuerlich absetzbar. Jede Spende wird in vollem Umfang dem guten Zweck zugeführt. Alle Verwaltungskosten trägt der Süddeutsche Verlag. Sachspenden können aus organisatorischen Gründen nicht entgegengenommen werden.

Das bestätigt der aktuelle Armutsbericht des Paritätischen, wonach 15,5 Prozent der Bevölkerung zu den Armen gezählt werden. 5,2 Millionen Personen davon müssen „in erheblicher materieller Entbehrung“ leben. Darunter befinden sich etwa 1,1 Million minderjährige Kinder und Jugendliche sowie 1,2 Millionen Vollzeiterwerbstätige. Sie können es sich nicht leisten, die Wohnung warmzuhalten oder alte Kleidung zu ersetzen. Angetrieben werde die Armut von der Inflation. Gleichzeitig schrumpfe die Schutzwirkung des Sozialstaates vor Armut, heißt es in dem Bericht. Demnach sei 2021 die Armutsquote durch die staatliche Umverteilung noch um 27,7 Prozentpunkte reduziert worden, 2024 dagegen nur noch um 25,1 Prozentpunkte.

Auch in München muss laut Armutsbericht der Landeshauptstadt aus dem Jahr 2022 jeder Sechste mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgrenze auskommen. Diese liegt im Bundesdurchschnitt aktuell bei 1381 Euro im Monat und in München bei 1540 Euro für Alleinstehende. Die für 2026 geplante Aktualisierung ihres Armutsberichts musste die Stadt verschieben. Es fehlt dafür das Personal.

Was die Zuschriften gemein haben, ist die große Dankbarkeit dafür, dass SZ-Leserinnen und -Leser jahraus, jahrein ihr Mitgefühl mit großzügigen Spenden zeigen.
Was die Zuschriften gemein haben, ist die große Dankbarkeit dafür, dass SZ-Leserinnen und -Leser jahraus, jahrein ihr Mitgefühl mit großzügigen Spenden zeigen.
Karin Kampwerth

Wie dramatisch die Situation für Einzelne ist, unterstreicht der Inhalt der Box mit zahlreichen E-Mails, Briefen und Postkarten, die SZ Gute Werke quasi ohne Unterlass erreichen und die eines eint: das oft herzzerreißende, aber immer überglückliche Dankeschön an die Leserinnen und Leser, die in den vergangenen Monaten wieder an das Hilfswerk der Süddeutschen Zeitung gespendet haben. 6,76 Millionen Euro sind in der nun zu Ende gehenden 76. Aktion zusammengekommen. Am kommenden Samstag beginnt traditionell mit dem ersten Adventswochenende die 77. Aktion.

Sicher wird sich auch eine neue Box wieder schnell mit Dankesschreiben füllen, etwa für eines der Lebensmittelpakete, mit denen SZ Gute Werke bedürftigen Rentnern, Alleinerziehenden oder kranken Menschen eine kleine Freude für die Feiertage bereitet. 3000 Lebensmittelpakete waren es im Vorjahr, liebevoll gepackt mit hochwertigen Produkten vom Bio-Markt Vollcorner.

Andreas Z. hat eines dieser Lebensmittelpakete erhalten. „Schicksalspakete verteilt das Leben leider nicht gerecht“, schreibt er gerührt von dem Geschenk an SZ Gute Werke. Er habe seinen geliebten Beruf aufgeben müssen, weil er unter einer seltenen neurologischen Erkrankung leide. Nun müsse er mit einer sehr kleinen Rente auskommen und sei auf die Tafel angewiesen. Das Lebensmittelpaket bedeute ihm viel, denn „Sichtbarkeit ist für Menschen mit seltenen Erkrankungen eine Lebensnotwenigkeit. Vielen lieben Dank, ja leiblich seelischen Dank an alle Menschen, die das möglich gemacht haben“, schließt er seinen Brief.

Dass auch gestiegene Energiekosten Menschen, die ohnehin in Armut leben, sehr zu schaffen machen, zeigt die Zuschrift von Elisabeth I., die ihr Schicksal auf einer eng beschrieben und mit einem bunten Blumenstrauß bedruckten Postkarte schildert. „Mein Mann hat einen Schwerbehindertenausweis mit 100 Prozent und dieses Jahr ist auch noch der Krebs dazu gekommen. Ich habe selber 40 Prozent. Mit einer Rente geht nicht mehr viel. Das Heizöl ist ausgegangen und ich musste zur Caritas gehen. Die nette Frau hat mir 400 Euro gegeben, ich habe gleich Öl bestellt. Sie hat dazu gesagt, dass die Spende von der Süddeutschen Zeitung kommt. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken. Vielen, vielen Dank.“

Nicht nur die Caritas, auch das Bayerische Rote Kreuz, Arbeiterwohlfahrt, Diakonie, Kinderschutzbund, sozialpsychiatrische Dienste sowie zahlreiche andere Institutionen, Organisationen und wohltätige Vereine in München und der Region erhalten Spendenmittel von SZ Gute Werke, um wie im Fall von Frau I. unbürokratisch schnelle Hilfe zu leisten, damit eine Wohnung nicht kalt, der Kühlschrank nicht leer bleibt und die Not nicht in Verzweiflung mündet. Auch die Landratsämter in der Region und zuvorderst das Sozialreferat der Stadt München arbeiten eng mit SZ Gute Werke zusammen, um dann Hilfe zu leisten, wenn der Staat sich nicht mehr zuständig zeigt.

Die Vielfalt der Beratungsangebote für Kinder und Jugendliche, Geflüchtete, Schwangere, Familien, Alleinerziehende, Geringverdiener, Wohnungslose und zahlreiche andere Menschen, die von Armut betroffen sind, wird mit den Einzelfallhilfen von SZ Gute Werke und der Unterstützung von sozialen Projekten ergänzt. Dass die Hilfe bei den Menschen ankommt, dafür tragen die engagierten Mitarbeitenden in den Sozialbürgerhäusern und in den Alten- und Servicezentren Sorge. „Umso dankbarer sind wir, dass unsere Spenderinnen und Spender uns ihr Vertrauen schenken und wir dadurch vielen Menschen helfen können“, sagt Martina Linke von SZ Gute Werke.

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Wer bekommt Geld? Wie wird kontrolliert, dass die Hilfe auch ankommt? Warum gibt es immer noch Lebensmittelpakete? Wie die guten Werke organisiert werden.

Von Ulrike Heidenreich

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