Wer die Wohnung von Ewa S. betritt, gelangt über einen langen Flur in das Wohnzimmer, das zugleich Schlafzimmer ist. Für sie und ihren 21-jährigen Sohn. An der einen Wand steht ihr schmales Bett. Gegenüber das ihres Sohnes. Dazwischen drei Stühle und ein Tisch, an dem der Platz gerade so für zwei Tassen Tee ausreicht – der Rest ist von Computerbildschirm und Tastatur besetzt. Rückt man mit dem Stuhl ein wenig zurück, um besser aufstehen zu können, stößt man gegen ein Bett. 30 Quadratmeter. Mehr haben die 57-Jährige und ihr Sohn nicht.
Vor fünf Jahren erlitt Ewa S. (Name von der Redaktion geändert) bei einem Verkehrsunfall schwere Verletzungen. Ihre Wirbelsäule war an zwei Stellen gebrochen. Auf dem Handy zeigt sie ein Röntgenbild von damals, auf dem die Schrauben und Fixierungen zu sehen sind, die seitdem alles zusammenhalten. Seit dem Unfall ist Ewa S. schwerbehindert. Die kleine Wohnung ist der einzige Ort, an dem das Gehen ohne Rollator klappt – der hätte hier ohnehin keinen Platz. Bei jedem Schritt zieht sie ihr rechtes Bein ein wenig hinter sich her, „schleppiger Fuß“ sagt sie dazu.
Draußen ist sie auf die Gehhilfe angewiesen. Wenige Hundert Meter schafft sie so, dann ist Schluss. Stehen und Sitzen klappt 30 Minuten lang. „Mein rechtes Bein wird dann taub“, sagt sie. Immer wieder wechselt Ewa S. die Position während des Gesprächs, einmal legt sie sich kurz aufs Bett.
Liegen ist die einzige Position, in der sie keine Schmerzen hat. Und das, obwohl sie Medikamente dagegen nimmt. Trotzdem hatte die 57-Jährige einen Job. In dem Büro, in dem sie als Disponentin zum Mindestlohn arbeitete, sei eine Couch gewesen. Dort habe sie sich hingelegt, den Laptop auf die leicht aufgestellten Knie.
Vor acht Monaten ist sie gestürzt. Das passiert ihr immer wieder mal. Bei jenem Sturz jedoch ist ihr Rücken wieder gebrochen. Aber das stellte sich erst Wochen später heraus. Warum sie nicht früher zum Arzt ist? „Ich habe ja immer Schmerzen“, sagt sie, „ich dachte nicht, dass das so schlimm ist.“ Als sie nach der OP wieder arbeiten wollte, hatte der Betrieb die Büros umgestellt. Eine Couch gab es jetzt nicht mehr. „So konnte ich keine acht Stunden arbeiten.“ Seitdem ist sie arbeitslos.
Wer Ewa S. oder anderen Menschen, die in Not geraten sind, helfen will, wird um ein Geldgeschenk gebeten, Sachspenden können leider nicht entgegengenommen werden.
Bareinzahlungen sind im neuen SZ-Servicepunkt, im Kaufhaus Ludwig Beck, Eingang Dienerstraße, 1. OG, Marienplatz 11, möglich. Es ist von Montag bis Freitag jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet.Sicher online spenden können Leser im Internet unter www.sz-gutewerke.de. Überweisungen sind auf folgendes Konto möglich:
SZ Gute Werke e. V.
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Ein Teil vom Bürgergeld, das sie bekommt, geht für das Zurückzahlen von Schulden drauf. Ihr Sohn gibt ihr jeden Monat 350 Euro von seinem kleinen Azubi-Gehalt ab. Hauptsächlich kauft sie davon Essen.
Ewa S. ist eine leidenschaftliche Köchin. Schon an der Wohnungstür wabert der Duft der Suppe in die Nase, die auf einem großen Topf in der kleinen Küche köchelt. Bohnensuppe, mit Sellerie, Zwiebeln, Knoblauch und Fleisch. „Die Suppe reicht uns drei bis vier Tage lang.“

Transparenz-Blog:SZ Gute Werke - So funktioniert das SZ Hilfswerk
Wie die SZ-Leserinnen und -Leser Bedürftige in München und Umgebung durch SZ Gute Werke e.V. unterstützen können.
Viele der Medikamente und Reha-Hilfsmittel, die ihr die Ärzte nahelegen, kann sich Ewa S. nicht leisten. „Eigentlich bräuchte ich auch ein größeres Bett“, sagt sie. Jedes Umdrehen in einem solch kleinen Bett wird für sie zur schmerzhaften Herausforderung. „Aber ich hab’ hier eh keinen Platz für so etwas.“
Platz für eine Waschmaschine wäre allerdings schon. Die Küche müsste sie umstellen, alles wäre noch enger. Aber es würde gehen. Aktuell benutzt Ewa S. die Gemeinschaftswaschmaschine im Keller. Wegen der starken Schmerzen und ihrer Gehbehinderung kann sie das nicht allein. Ständig ist sie auf Hilfe angewiesen. Ein eigenes Gerät würde ihr ein großes Stück Selbständigkeit zurückgeben und den Alltag erleichtern. Und eine neue Spülmaschine wäre toll, als Ersatz für die kaputte. Per Hand zu spülen geht nur unter starken Schmerzen, weil sie dabei stehen muss.
Doch am allermeisten wünscht sich Ewa S. etwas anderes: eine größere Wohnung für ihren Sohn und sich, wo sie beide ein kleines Stück Privatsphäre haben.

